Prozess gegen falsche Polizisten vor dem Kölner Landgericht.

Hoher Schaden : Senioren glauben falschen Polizisten

Prozess läuft gegen fünf Angeklagte vor dem Kölner Landgericht.

Zwei Geschädigte machten vor dem Kölner Landgericht am Montag ihre Aussagen. Beide waren Opfer einer Betrugsmasche, bei der unter anderen eine inzwischen 77-jährige Frau aus Schlebusch 32.500 Euro und ein 90-Jähriger aus Aachen 22.000 Euro verloren haben. Sie fielen auf den „Polizisten-Trick“ herein.

Die beiden Senioren wurden als erste Zeugen in dem Prozess gehört, in dem sich fünf Männer im Alter von 25 bis 28 Jahren verantworten müssen. Und machten erstaunlichen Angaben: Beide hatten von dem „Polizisten-Trick“ in der Zeitung gelesen oder im Fernsehen die Warnungen vernommen. Beide waren misstrauisch und hatten ihre Zweifel. Und trotzdem: Beide sind darauf reingefallen. Die Schlebuscherin: „Ich habe irgendwie einen Blackout gehabt.“

Ob es an der sympathischen und angenehmen Stimme des „Polizisten Brei“ lag, der sich ins Vertrauen der Schlebuscherin einschlich? Oder der Kniff der Täter,  sich sofort wieder als Polizei zu melden, als der Mann aus Aachen sagte, er werde jetzt die richtige Polizei anrufen unter der Telefonnummer 110. Das tat er auch, aber – wie auch immer – war der „falsche Polizist“ erneut am anderen Ende der Strippe. Das ließ ihn glauben, dass eben doch alles seine Richtigkeit haben müsse mit der Geschichte von der rumänischen  Bande, die an das Geld der Senioren wollte. Dabei soll einer der Gauner ein Mitarbeiter der Bank oder Sparkasse sein, die ja unmittelbar auf das Konto der Opfer zugreifen könne.

Die Schlebuscherin erhielt am 16. September 2018 gegen 22 Uhr den ersten Anruf des „falschen Polizisten Brei“, der nicht lange um den Brei herumredete. Am nächsten Morgen war die Rentnerin von der Geschichte so beeindruckt, dass sie sich zur Sparkasse aufmachte und von einem Sparbuch und ihrem Girokonto insgesamt 32.500 Euro abhob. Auf Einwände des Sparkassen-Mitarbeiters antwortete sie nur kurz: „Ich brauche das Geld gerade.“ Das Geld wurde ausgezahlt.

Erstaunlich waren zuvor die abgefragten Biographien der Angeklagten, von denen alle zwar in Deutschland geboren wurden, vier einen Migrationshintergrund hatten, aber alle durchweg eine gute Ausbildung, unter anderem Abitur, hatten. Lediglich der Hauptangeklagte, der das Geld an den vorbestimmten Stellen abholte, hatte höhere Schulden, entstanden aus Handy-Verträgen. Er entschuldigte sich vor Gericht, was den 90-Jährigen zu der mitfühlenden Aussage veranlasste: „Ich nehme an, dass sie in finanziellen Schwierigkeiten waren und es deswegen gemacht haben.“

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