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Leverkusen: Problemfall Leverkusen?

Leverkusen : Problemfall Leverkusen?

Lust auf Leverkusen? Die kann einem vergehen, folgt man den Ergebnissen der Prognos-Studie zur Lebensqualität in deutschen Städten. Ist es tatsächlich so schlimm bestellt?

Das Leben in der Stadt geht weiter. Auch mit, trotz oder gerade wegen der niederschmetternden Ergebnisse aus der jüngst vom ZDF beauftragten Studie des Instituts Prognos zur Frage, wo es sich in Deutschland gut leben lässt. Demnach in Leverkusen nicht. Die Stadt kommt in der Gesamtplatzierung auf Rang 361 von 401 untersuchten Städten und Landkreisen. In den einzelnen Lebensbereichen schneidet Leverkusen schlecht ab, sei es Arbeiten und Wohnen, Sicherheit und Gesundheit, Freizeit und Natur. Ist die Stadt tatsächlich so nicht-lebenswert wie die Studie des Instituts vermuten lässt?

 (( Jugendkultur: der Skaterpark unter der "Stelze"
(( Jugendkultur: der Skaterpark unter der "Stelze" Foto: Matzerath Ralph

Walter Mende lenkte die Geschicke der Stadt lange als Oberstadtdirektor und Oberbürgermeister und gestaltete sie als Fraktionschef der Leverkusener SPD mit. Aber vor allem lebt er seit langem im Osten der Stadt. Und er hält mit seiner Einschätzung nicht hinterm Berg: "Die Studie ist durch Unkenntnis geprägt."

 ( Die Jazztage locken internationale Stars auf die Bühne und Gäste weit über die Region hinaus."
( Die Jazztage locken internationale Stars auf die Bühne und Gäste weit über die Region hinaus." Foto: Krebs Andreas

Sport/Kultur/Schulen Laut Mende gibt es kaum eine andere Stadt im Rheinland, in der so viel hochkarätiger Sport läuft: Fußball- und Handball-Bundesligisten, Top-Leichathleten "und eine große Dichte an Sportvereinen, fast jeder Dritte in der Stadt ist in einem solchen", merkt er an. Leverkusen könne ein großes Angebot in vielen Bereichen aufweisen vom Amateurflugplatz eben über diverse Sportangebote bis hin zur Kultur, "das Programm von Bayer Kultur kommt noch zum städtischen Kulturangebot und zum Angebot der freien Kulturszene hinzu". Das sei enorm viel und abwechslungsreich. Die Schullandschaft ist nach Mendes Einschätzung gut: "In keiner anderen Stadt in NRW machen - gerechnet an der Einwohnerzahl - so viele Schüler Abitur wie in Leverkusen."

 ' Hingucker: der Japanische Garten.
' Hingucker: der Japanische Garten. Foto: Ludmilla Hauser
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Wohnen Die Mieten seien in der Stadt noch human, ordnet der Jurist ein. "Und Leverkusen weist von Hitdorf bis Schlebusch mitunter sehr schöne, in sich geschlossene Wohnviertel auf. Man kann sich ja auch mal fragen, warum so viele Bayer-Manager in Leverkusen wohnen." Eine mögliche Antwort hat Mende parat: "Weil die Stadt bequem ist: Die Wege sind kurz innerhalb, aber wer mal nach Köln möchte, ist auch flott da." Mende findet für jeden von Prognos als nicht gut bewerteten Bereich Gegenbeispiele, lobt die Entwicklung des Bürostandortes, die Bahnstadt, die Möglichkeiten für Radler.

Problem Aber woran liegt es dann, dass Leverkusen nach außen Imageprobleme zu haben scheint? Das Image, meint Mende, rührt von den Autobahnen und Bahnstrecken mitten durch die Stadt her und von der Meinung, Bayer blase zu viele Abgase in die Luft. "Ich habe schon Leute getroffen, die glaubten, Leverkusen liege im Ruhrgebiet und hier herrsche deswegen automatisch schlechte Luft. Andere sagen: Leverkusen? Das ist doch eine große Apotheke unter dem Autobahnkreuz."

Lösung Was hilft, um das Ansehen der Stadt aufzupolieren? Der Jurist empfiehlt der Stadt "dringend, eine professionelle Agentur oder ein Institut zu beauftragen, das Marketing für die Stadt zu übernehmen. Beispiele, dass andere Städte sich extern helfen lassen oder neue Wege in der Eigenwerbung gefunden haben, gibt es genug. Im Bergischen Städtedreieck Remscheid, Solingen, Wuppertal etwa wirbt die Bergische Struktur- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für die "Bergischen Drei".

Walter Mende kann sich Imagewerbung auf allen Kanälen vorstellen, mit Filmen, die die Stadt, aber auch Wohnviertel, Freizeitangebote und Stadtteile vorstellen, damit jemand weiß, der beruflich herziehen möchte, was ihn erwartet und wo er sich beispielsweise nach einer Wohnung umschauen möchte.

Derzeit Die Stadt wirbt aktuell mit einem Buch, im Internet und speziell in den sozialen Netzwerken für ihre Vorzüge. An guter Werbung für die Vorzüge der Stadt wurde bis vor wenigen Jahren gespart. Zwölf Jahre lang fand Stadtmarketing in Leverkusen - wenn überhaupt - nur dann statt, wenn es einen Anlass dazu gab. Geworben wurde dann, wenn in der Stadt was los war; zum Beispiel zur Landesgartenschau oder für die Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen. Der Personalaufwand dafür war überschaubar. Das geht aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der SPD hervor, die schon vor geraumer Zeit wissen wollte, was die Stadt unternimmt, um ihre eigenen Stärken zu vermarkten. Mitte 2013 beauftragte der Rat die Verwaltung, ein Vermarktungskonzept für den Naherholungs-Standort Leverkusen zu erstellen. Daraus ergab sich: • Die Stadt betreibt die Webseite lust-auf-leverkusen.de, • ein touristischer Stadtplan wurde veröffentlicht, • Es gibt ein Kampagnen-Buch mit dem Titel "Das ist meine Stadt", • Leverkusen macht mit bei der touristischen Präsenz des Region Köln/Bonn (www.rheinland.info), • Es gibt einen Online-Marketing-Shop.

Zukunft Anfang 2017 beschloss der Rat: Eine neues Stadtmarketingkonzept soll entwickelt werden. Wie weit dieses gediehen ist, konnte die Stadt gestern nicht sagen. Für Mende indes spielt die Studie überhaupt keine Rolle: "Fakt ist, der Zuzug in die Stadt reißt nicht ab. Das ist eine unschlagbare Abstimmung mit den Füßen."

(RP)