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Prävention: Mit der Brötchentüte auf Verbrecherjagd

Präventionsaktion der Polizei in Leverkusen : Mit der Brötchentüte auf Verbrecherjagd

Die Polizei startet jetzt eine ungewöhnliche Aktion in Bäckereien, um Bürger vor Telefonbetrügern zu warnen. Per Aufdruck auf Brötchentüten.

Brötchentüten sollen jetzt Verbrecher aufhalten. Wie das gehen soll? So: Gut sichtbar hat die Polizei Köln/Leverkusen eine bunte Warnung vor falschen Polizisten am Telefon auf den Tüten angebracht, die in Form einer Karikatur zu sehen ist.

Betrüger überrumpeln Senioren mit Schreckenszenarien am Telefon und sorgen immer wieder für hohe Schadenssummen. Die Maßnahmen zur Prävention tragen aber Früchte. Im vergangenen Jahr gab es laut Ralf Trippe in Leverkusen 4300 derartige Straftaten gegen Senioren. Die Täter erbeuteten insgesamt drei Millionen Euro. Im laufenden Jahr zählt die Polizei bereits 700 Fälle – und eine Summe von einer Million. Umso wichtiger, sagt der Leiter der Kriminalprävention, ist die richtige Aufklärung der betroffenen Gruppe.

Das erhofft sich die Polizei mit dem Bild auf den Brötchentüten. „Es ist wichtig, dass wir die Menschen in der Tagesroutine abholen“, erläutert Sprecherin Kristina Wild. Sie wollen das Thema zum Gespräch machen. Dabei nimmt Trippe Angehörige in die Pflicht. Familiär sollte über die Gefahr zumindest kurz gesprochen werden.

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Zu den Opfern der Betrüger gehören auch Senioren, die sich fit fühlen. Da die Täter während des Gesprächs einen hohen emotionalen Druck erzeugen, indem sie berichten, ein naher Verwandter benötige zum Beispiel eine Kaution, schaffen sie es, ihre Gesprächspartnerzu „überrumpeln“. Dazu betont Trippe: „Im Einzelfall denken sie dann nicht mehr rational.“ Und: „Die Polizei ruft nie an und verlangt Geld.“

Bei den Betroffenen der Betrügerei ruft das teils starke psychische Schäden hervor. Die Senioren schämen sich, machen sich starke Vorwürfe und ziehen sich weit zurück.

Derweil werden die Täter immer professioneller. Die Telefonnummer werde manipuliert, sehe nach einem vertrauenswürdigen Anrufer aus. Die Angerufenen sollen sich darauf nicht einlassen und selbst bei der Polizei Rücksprache halten. Verstärkt sind die Banden in Osteuropa und der Türkei beheimatet, sagt Trippe: „Das macht keiner alleine. Das sind Banden, die aufeinander aufbauen in ihrem Handeln.“

Die Prävention greift offenbar: Rund acht Prozent der Betrüge sind erfolgreich. Noch 2015 gelangten Täter doppelt so oft ans Ziel. Zu den Präventionsmaßnahmen gehören nun auch die Brötchentüten. 300.000 davon wurden in Köln und Leverkusen verteilt. Sie reichen für etwa zwei Wochen.

In Steinbüchel-Fettehenne ist die Bäckerei Voosen Partner für die Aktion. Ihre Kunden kommen oft aus dem Seniorenzentrum der Awo. „Wir sind total begeistert“, sagt Inhaber Dominik Voosen. Und seine Frau Jill ergänzt: „So erreicht man die Senioren besser als mit digitalen Medien.“