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Porträt einer Leverkusenerin: Anna Voll – eine Frau unter 140 Männern

Verfahrenstechnik-Ingenieurin bei Lanxess : Anna Voll – eine Frau unter 140 Männern

Verfahrenstechnik ist das berufliche Feld, auf dem sich Anna Voll tummelt. Mit Leidenschaft. Deretwegen hat es sie nach Leverkusen verschlagen.

Anna Voll ist ein Zahlenmensch. Und eine, die es gerne groß mag. „Am Ende der Schulzeit stand für mich fest, dass ich etwas mit Mathe machen möchte, gerne auch mit Naturwissenschaften. Mein Studium sollte natürlich zielführend für den späteren Beruf sein, und ich wollte gerne große Anlagen studieren.“

Heute ist Anna Voll promovierte Diplom-Ingenieurin, arbeitet mit sehr großen Anlagen, denen des NHF-Betriebs des Köln-Leverkusener Spezialchemie-Konzerns Lanxess, und: Sie ist die einzige Frau unter 140 Männern.

Studiert hat die 38-Jährige Maschinenbau, spezialisierte sich am Ende des Grundstudiums in Richtung Verfahrenstechnik. Als sie ihre Diplomarbeit schrieb, hatte sie den ersten Kontakt zu Lanxess. Voll schlug aber zunächst den wissenschaftlichen Weg ein und promovierte. Als sie sich „Breitband“ bei vielen Unternehmen für einen Job bewarb, hat Lanxess ihr gleich zwei Stellen angeboten. Voll entschied sich für den Bereich Verfahrenstechnik, zog innerrheinländisch um – von Aachen nach Leverkusen. Seit zwei Jahren ist sie als Bereichsingenieurin im NHF-Produktionsbetrieb in Leverkusen verantwortlich für Technik und Team. Dort werden Nitroaromaten hergestellt – Zwischenprodukte für die verarbeitende Industrie, die im Bereich Pflanzenschutz, der Autoindustrie und zum optischen Aufhellen etwa von Papier benötigt werden. 

Anna Voll gerät ins Schwärmen: „Es ist toll, eine Anlage am Laufen zu halten, sich selbst einbringen zu können, an Themen wie Nachhaltigkeitsstrategien, CO2-Einsparungen und Digitalisierung mitzuarbeiten.“ Dass sich in ihrem sechsköpfigen Technikteam und im übrigen Betrieb um sie herum nur Männer aufhalten, empfindet sie keineswegs als ungewöhnlich. „Natürlich waren die Kollegen neugierig. Aber nicht, weil da nun eine Frau kam, sondern im Hinblick darauf, was für ein Mensch nun im Betrieb anfängt. Und die Stimmung bei uns ist sehr herzlich.“

Dass der Chemikantenberuf noch weitgehend männlich dominiert ist, findet die zweifache Mutter schade. „Natürlich war es früher eine Männerdomäne. Chemikanten brauchten viel körperliche Kraft für ihre Arbeit. Im Zuge der Digitalisierung ist das heute längst nicht mehr so. Viel Arbeit findet in der Messwarte statt. Frauen, die sich für solche Berufe interessieren, sollten ihre Vorurteile abbauen und sich bewerben. Ich wünsche mir durchaus mehr Frauen in meinem Bereich“, ermutigt die Ingenieurin.

Sie kümmert sich mit ihrem Team um die Optimierung und Verfügbarkeit der Anlagen, um Sicherheitstestate, technische Prüfungen und Instandhaltung. Eine eher kopflastige Arbeit, sagt die Ingenieurin, die im Teutoburger Wald geboren wurde, im Ruhrgebiet aufwuchs und durch den technisch interessierten Vater („Meine Eltern sind beide Lehrer“) früh mit technisch-naturwissenschaftlichen Welten in Berührung kam. Tage, an denen in Essen und Umgebung jedermann in Betriebe reinschauen durfte, habe die Familie genutzt.

Den Ausgleich zum Job holt Anna Voll sich beim Laufen. „Schon in der Schulzeit war ich sehr sportlich, jetzt ist Laufen ein Hobby, bei dem ich abschalten oder mal in Ruhe nachdenken kann“, erzählt die 38-Jährige. Den Ausgleich schafft aber auch ihre Familie, ihr Mann, ebenfalls Ingenieur, und die beiden Söhne, acht und fünf. „Zu Hause ist mein Mann fürs Bohren zuständig, ich für Aufbauanleitungen“, erzählt sie offen.

Und die Ingenieurin schickt noch ein bisschen Werbung für ihre berufliche Leidenschaft hinterher: „Mädchen, und junge Frauen, die sich für Technik interessieren, sollten mit Selbstvertrauen die entsprechenden Berufe wählen. Ein hoher Männeranteil ist jedenfalls kein Argument dagegen.“