Amerika auf dem Motorrad: Portlands Polizei: ein Hightech-Unternehmen

Amerika auf dem Motorrad : Portlands Polizei: ein Hightech-Unternehmen

Die Polizisten Julia Becker und Hans-Dieter Husfeldt berichten von ihrem Lebenstraum: Amerika auf dem Motorrad.

Als ich den Vulkan Mount St. Helens verlasse, fahre ich in eine Richtung, die mir jeder als hässlich und unattraktiv beschrieben hat. Ich fahre gen Osten. Nachdem man am mächtigen Columbia River vorbeigefahren ist und dann nach Norden abbiegt, ändert sich die Landschaft dramatisch. Zunächst ist alles grün und saftig. Dann wird es von jetzt auf gleich trocken, sehr heiß und die Farben, die man sieht, sind nur noch Beige- und Gelbtöne. Wie gesagt: alle haben diese Gegend als unattraktiv beschrieben. Und ich? Ich liebe es hier!

Die Stimmung ist freundlich und gelöst, wenn die Polizei auf Streife geht – trotz Waffe und schusssicherer Weste. Foto: Julia Becker

Nahe der Kleinstadt Starbuck finde ich einen Campingplatz. Selbst in der Nacht sind die Temperaturen hoch, man hört außer tausenden von Grillen nichts. Die Hitze lähmt, und ich genieße es. Die Umgebung erinnert mich an Western. Sie ist unbekannt, aber man meint, man sei im Monument Valley oder in den Canyonlands. Es gibt Wasserfälle, die malerisch in tiefen Canyons enden. Das Land ist unbesiedelt und wunderschön. Tumblewheat aus dem letzten Jahr rollt umher.

Man warnt mich: Vorsicht, es gibt Klapperschlangen! Nach dieser für mich überraschend schönen Umgebung geht es weiter durch Idaho nach Montana hinein. Hier ist das Ziel der Yellowstone Nationalpark. Er ist ebenfalls wunderschön, doch tausende von Touristen wollen — wie ich — die Schönheit der Natur bewundern. Deshalb ist es ein Stop and Go durch den Park.

Ich bin froh, als ich wieder gen Westen fahre. Im nördlichen Oregon nehme ich mit einem Kollegen, den ich bei dem Motorradtreffen "Dust to Dawson" kennengelernt habe, Kontakt auf. Travis organisiert, dass ich mit auf Streife fahren kann und so die unterschiedliche Arbeitsweise und Ausstattung von Polizeibeamten in den USA und Deutschland kennenlerne. Damit es etwas spannender wird, soll ich die Spätschicht mit fahren — die ist genau wie in Deutschland etwas einsatzlastiger. Ich fahre mit Officer Louis Parry. Er hat einen eigenen kleinen Bezirk, in dem er so eine Art Kontaktbeamter ist. Louis ist noch recht jung und er musste sich bewerben, um in diesem Bereich arbeiten zu dürfen.

"New Columbia" war ein Problemviertel mit viel Gang-Aktivitäten, welches mit enormen finanziellen Mitteln und drastischen Umsiedlungsmaßnahmen in ein sauberes, aber sozial schwaches Viertel verwandelt wurde. Leute, die hier wohnen, haben in der Regel viele Kinder — die Frauen ziehen die Kinder zumeist alleine groß, und das Einkommen der Menschen ist niedrig, wenn sie überhaupt Arbeit haben. Die Bewohner sind zu 70 Prozent dunkelhäutig, und der Rest kommt aus dem spanischsprechenden Amerika. Louis ist hier bekannt wie ein bunter Hund, Kinder kommen gelaufen und sprechen ihn mit "Officer Parry" an. Die Stimmung ist freundlich und gelöst. Die Taktik der Polizei scheint aufzugehen: ständiger Aufenthalt im Streifenbezirk plus Kommunikation und persönlicher Kontakt besonders mit Kindern und Jugendlichen.

Das funktioniert auch deswegen so gut, da die Ausrüstung der Streifenwagen auf neuestem Stand ist:

- Jeder Polizist hat eine Schussweste, die über der Uniform getragen wird. Hier ist alles integriert, was man schnell zur Hand haben muss: Funkgerät mit Kabelverbindung in der Weste zum Ohr.

- Das Handfunkgerät und das Funkgerät auf dem Fahrzeug sind mit GPS ausgerüstet, und die Leitstelle (dort arbeiten keine Polizeibeamten, sondern Angestellte) kann so erkennen, wo der Streifenwagen oder das Handfunkgerät sind.

- Laptops auf den Streifenwagen können alles: E-Mail, Internet, Formularverwaltung, Verbindung mit dem polizeilichen Datenbestand — sprich: Alle notwendigen Informationen holen sich die Kollegen online direkt ins Auto. Airtime (Funkverkehr) ist nur für Notfälle, oder größere Koordinierungseinsätze. - Ein Teil der Streifenwagen ist mit Kameras ausgerüstet, nach allen vier Seiten hin, die ständig Kennzeichen erkennen und abgleichen. So fahren die Kollegen durch ihren Streifenbezirk und bekommen automatisch angezeigt, wenn ein Kennzeichen in der Fahndung ist.

Louis nimmt einen Heroinabhängigen fest, der gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen hat. Die Einlieferungsformulare für die "Gefängnisse" (ausschließlich Bundespolizeigefängnisse) werden im Streifenwagen ausgefüllt und per Knopfdruck in der aufnehmenden Anstalt ausgedruckt — als wir dort ankommen, wissen die Kollegen bereits wer eingeliefert wird und was mit ihm zu tun ist. Die Formulare liegen ausgedruckt für uns bereit. Ich bin begeistert über den technischen Standard und die Ausrüstung!

(RP)
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