Leverkusen: Polizeigewerkschafter: "Mehr gegen Mafia tun"

Leverkusen: Polizeigewerkschafter: "Mehr gegen Mafia tun"

Fünf Jahre sind seit den Mafiamorden in Duisburg vergangen, doch selbst dieser Aufsehen erregende Fall hat es nicht geschafft, die organisierte Kriminalität dauerhaft ins Bewusstsein von Bevölkerung und Politik zu bringen. Deshalb will die neu gegründete Initiative "Kultur der Legalität" eine Debatte anfachen: Bei einer ersten Veranstaltungsreihe "Mafia in Deutschland" vom 11. bis 13. Oktober in Köln soll sich intensiv mit dem Thema beschäftigt werden.

"Was ist politisch passiert seit den Morden von Duisburg?", fragt Rüdiger Thust, stellvertretender Landesvorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter und Mitglied der Initiative. Er sagt: "Gar nichts. Warum kann man nicht emotionslos über erleichterte Beschlagnahme diskutieren, um an die Lebensader der Mafia zu kommen?" Thust wünscht sich einen "Mafiaparagraphen" wie in Italien. Der würde unter anderem eine Beweislastumkehr bringen. Die deutsche Politik hält für Thust diesbezüglich für zu liberal. Eine Sensibilisierung habe hier nicht stattgefunden, "weil kein Politiker oder Staatsanwalt tot auf der Straße lag".

Ermittlungen der Kriminalhauptstelle Köln gipfelten im März 2011 in einer bundesweiten Aktion gegen ein straff gegliedertes Netzwerk der Baumafia, bei der 43 Objekte in NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und Bayern durchsucht und im Großraum Köln zehn mit Haftbefehl gesuchte Hintermänner festgenommen wurden. Das Bundesinnenministerium schätzt, dass jährlich durch die italienisch dominierte Baumafia rund 64 Milliarden Euro Steuereinnahmen verloren gehen. Im Lagebericht des Landeskriminalamts NRW für 2010 beläuft sich der hochgerechnete kriminelle Gewinn auf fast 114 Millionen Euro.

  • Duisburger Morde : Mafia in NRW — die unsichtbare Gefahr

Auch ohne weitere Mafiamorde geht von den Organisationen eine Gefahr aus, die in den polizeilichen Statistiken nicht abgebildet ist: "In vielen Verfahren in Köln und Leverkusen gibt es Indizien auf einen Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität", sagt Thust. "Es gibt in Deutschland ein gewaltiges Potenzial, um illegales Geld zu waschen." Die schwerreichen Mafiosi seien eine echte "Wirtschaftsmacht, die legale Unternehmen in die Ecke drücken. Und wenn dann noch eine Nähe zur Politik aufgebaut wird . . .".

Zu der Podiumsdiskussion im Polizeipräsidium Köln-Kalk am 13. Oktober wurden führende NRW-Politiker eingeladen — bei ähnlichen Veranstaltungen glänzte die Politik laut Thust jedoch mit Abwesenheit. Namhafte Teilnehmer sind unter anderem Roberto Scarpinato, leitender Oberstaatsanwalt der Anti-Mafia Direktion Palermo und Jürgen Roth (Autor des Buches "Mafialand Deutschland").

(RP/url)
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