Leverkusen: Polizei lobt "Nordkurve 12"

Leverkusen: Polizei lobt "Nordkurve 12"

Der Verein Nordkurve 12 feierte die Eröffnung des Vereinslokals "Stadioneck". Bei aller Freude war die gute Laune nicht ungetrübt. Die Ausschreitung der Vorwoche (mit einem schwer verletzten Polizisten) wirkt nach.

Zur Eröffnungsfeier des "Stadioneck" hätte sich Ulrich Wissing ohne jeden Zweifel andere Gesprächsthemen gewünscht. Aber zwischen spanischen Churizo-Würstchen vom Grill, Tombola, Bier vom Fass und Cocktails wurde der Vorsitzende des Vereins Nordkurve 12 natürlich mehr als nur einmal angesprochen auf die Ereignisse nach dem Bundesligaspiel der Werkself gegen Borussia Dortmund. "Wir haben in den letzten Tagen viele Gespräche geführt und viel Rückendeckung und Unterstützung erfahren", sagte der Frontmann der 900 Mitglieder starken Faninitiative, die seit Saisonbeginn die Gaststätte betreibt.

Sehr dankbar sei er dafür, dass nicht nur viele Anhänger, sondern auch Bayer 04, die Polizei und das Ordnungsamt unterschieden hätten zwischen den Chaoten, die auf Dortmunder Fans und auf die Polizei losgingen, und der Gaststätte des Vereins. Dessen Verantwortliche — das zeigen auch die Videoaufnahmen der Polizei ganz klar — haben sogar versucht, in aufgeheizter Atmosphäre deeskalierend auf Randalefans einzuwirken.

Polizei kam, aber nur als Gast

Zur Eröffnungsfeier lief die Polizei auf. Allerdings aus erfreulichem Grunde. Der Leiter der Polizei-Inspektion Leverkusen, Hans-Dieter Husfeldt, kam als Gast. "Toll, was die Nordkurve hier geschafft hat", sagte der Polizeioberrat, der zu seinem Besuch auch den früheren Fan-Beamten Helmut Kommoß mitgebracht hatte. Zufällig traf das Duo in Uniform bei seinem Besuch auf Bayer 04 Kommunikations-Chef Meinolf, wobei das Gespräch schnell auf die Vorfälle vom Samstag zuvor kam.

"Ich finde es gut und richtig, dass der Verein Nordkurve sich so deutlich vom Geschehen distanziert", betonte Sprink. Ein Sonderlob gab es für ein gelungenes Beispiel von Nachbarschaftshilfe. Bei Bayer 04 hatte sich ein Nachbar der Gaststätte gemeldet, weil seine Blumenbeete zertrampelt wurden, als sich bei den Ereignissen verängstigte Passanten in Sicherheit brachten. "Herr Sprink sagte mir Bescheid. Wir haben uns sofort mit dem Herrn in Verbindung gesetzt, um ihm den Schaden zu ersetzen", verriet Wissing.

Brief an den verletzten Beamten

Nun will er sich mit seinen Vorstandskollegen zusammensetzen und etwas tun, was ihm schon seit einigen Tagen am Herzen liegt. "Obwohl wir als Verein nichts mit den Chaoten zu tun haben, die ihn angegriffen haben, werden wir einen Brief an den verletzten Beamten schreiben — um ihm gute Besserung zu wünschen und uns von den Vorfällen zu distanzieren", kündigte der Vereinsvorsitzende an.

(kre)
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