Leverkusen: Politik-Pointen und Körperkult

Leverkusen : Politik-Pointen und Körperkult

Ein halbes Jahrhundert alt - wie geht Mann damit um? Rückblick auf die vergangenen Jahrzehnte oder Ausblick in die wahrscheinlich kürzere Zukunft? Kabarettist Thomas Reis zeigte im Scala Club mit seinem aktuellen Programm "Endlich 50!", wie sich das "Best Age" anfühlt.

Neben zahlreichen politischen Pointen stand der eigene Körper im Fokus. Zum Thema Abnehmen stellt er fest, dass er nun mehrere Diäten mache, schließlich würde nur eine einzige nicht satt machen. Liebevoll nannte er seinen Bauch den "sozialen Brennpunkt" an seinem Körper, der seine inneren Werte expandiere. Doch mit einem Bauchsparvertrag wäre die Zukunft gesichert. Apropos Sparvertrag: Mit den Banken hätte er es seit deren Rettung nicht so, erklärte der 54-Jährige: "Da leihen sich die deutschen Banken einen Millionenkredit bei der Europäischen Zentralbank mit 1,5 Prozent Zinsen und verleihen das Geld direkt wieder an Timbuktu-Länder mit einem höheren Zinssatz", erklärte er. Wenn man die moralischen Aspekte außer Acht lassen würde, sei dies ja auch ein lukratives Geschäft. Das Problem: "Das Geld gibt es nicht, aber die Zinsen sind echt. Da haben die Banken dann ein Problem und wollen gerettet werden", sagte der Kabarettist und ergänzte: "Das wäre ja so, als ob ein Dieb eine Bank ausraubt, seine Beute auf der Flucht verliert und seinen Verlust dann bei der Bank einklagt."

Reis regte sich aber auch über die "Nichtstun"-Einstellung der Jugendlichen auf und die daraus resultierende Konsequenz, dass die neueste Pisa-Studie festgestellt hätte, dass der gleichnamige Turm doch gerade sei. "Denn die Welt steht schief, nicht der Turm", erklärte er. Gemeint war die Gefahr des Populismus, der Angstmacherei und des Rechtsrucks in der Politik.

Er bemerkte, dass sich früher die Leute ab 50 bereits auf den Weg ins Jenseits machten: "Früher ist man da schon langsam gestorben. Heute beginnt man mit einer neuen Ausbildung." Viele seiner Mit-Fünfziger würden nun eine Ausbildung zum Klangschalentherapeuten oder Heilerziehungspfleger beginnen.

Dabei feuerte der Künstler ein Sprachfeuerwerk ab - für alle Zuschauer verständlich und doch voller Poesie. Reis wirkte bissig und gleichzeitig charmant. Und er bewies, wie beeindruckend es sein kann, wenn eine einzige Person einen ganzen Abend lang mit sich selbst redet, Überlegungen anstellt, ihr Publikum dabei immer wieder zum Lachen bringt und dabei einen roten Faden durch das ganze Programm ziehen kann.

(hawk)