Opladen: Plötzlich war das Familiengrab weg

Opladen : Plötzlich war das Familiengrab weg

Achim Osenberg ist zornig und traurig. Das Grab seiner Vorfahren auf dem Friedhof Birkenberg wurde überraschend eingeebnet. Seit 72 Jahren gehörte es der Familie. Das Grabmal ist abgerissen. Juristisch ist die Stadt im Recht.

Joachim Osenberg (75) zeigte sich noch gestern empört: "Seit 1937 gehörte das Grab uns. Mehrmals pro Woche habe ich es gepflegt. Jetzt hat die Stadt alles einfach platt gemacht. Meine Großeltern und meine Eltern sind dort begraben. Alles ist weg, einfach so, ohne Ankündigung." Dabei würden die Friedhofsleute ihn doch kennen. Sie hätten ihn vor dem Einebnen ansprechen können. "Sie haben mir nur noch die zerbrochenen Grabmalreste auf dem Friedhof-Abfallplatz gezeigt." Ein trauriger, schockierender Anblick.

Uwe Rischmüller, Sachbearbeiter im Friedhofsamt, bestätigt das Abräumen des Grabes. Für die Stadt ist eine solche Maßnahme Routine. Bis 1400 Gräber werden pro Jahr planiert. Allein auf dem Opladener Birkenberg fallen 200 abgelaufene Gräber pro Jahr an. Das Nutzungsrecht am Osenberg-Grab sei im April 2007 abgelaufen. Bis Ende 2008 lief die Frist, in der die Osenbergs das Grab selbst abräumen oder es neu kaufen konnten. Hinweise, dass die Nutzungsfrist endet, gab die Stadt über einen Aushang im Friedhofs-Schaukasten, im Amtsblatt und über ein Schild auf der Grabstelle.

"Wer schaut schon in den Schaukasten oder ins Amtsblatt", sagt Osenberg dazu. Ein Schild auf dem Grab habe es nie gegeben, da ist sich der Opladener sicher. "Ich bin doch oft hier! Warum hat die Stadt meinen Bruder als Nutzungsberechtigten der Grabstelle nicht angeschrieben?"

"Wir verzichten seit den 90er Jahren auf schriftliche Benachrichtigungen", sagt Sachbearbeiter Rischmüller. Aus Kosten- und Personalgründen. In der Regel seien über die Hälfte der Briefe mit der Bemerkung "unbekannt verzogen" oder "verstorben" zurückgekommen. In solchen Fällen andere Adressen oder gar die Erben zu ermitteln, dies sei einfach zu aufwändig.

Das beruhigt Joachim Osenberg überhaupt nicht. "Jede Bank weist heute Monate vor dem Fälligkeitstermin einer Geldanlage schriftlich darauf hin. Und bei einer so mit Gefühlen befrachteten Angelegenheit wie einer Grabstätte sollte das nicht möglich sein? Wir sind als 80- und 75-jährige Söhne, die dort ebenfalls einmal ihre letzte Ruhe zu finden hofften, tief verletzt und zornig!"

Ernst und Anna Roth

Angelegt wurde das Grab 1937 für die Großeltern Ernst und Anna Roth. Er arbeitete seit 1908 in Opladen, war angesehener Kaufmann und Scherenschleifer, erzählt Enkel Osenberg. Deshalb wurde das Familiengrab mit einer drei Meter breiten Mauer versehen, in die die Hälften eines Schleifsteines eingelassen waren. Die Steine dienten als Unterlage für die Schriftzüge und Jahreszahlen. Insgesamt ein aufwändiges Grabmal. Der Opa baute in der Wilhelmstraße ein Haus, in dem der Enkel heute lebt.

(RP)
Mehr von RP ONLINE