Pit Hupperten macht die Fööss ein bisschen funkiger

Neue CD der Kultband : Hupperten macht die Fööss ein bisschen funkiger

Die neue CD der Kölner Kultband ist unter der Produktionsleitung von  Pit Hupperten entstanden. Der gebürtige Leverkusener gehört seit 2017 zur Truppe. Vollblutmusiker war er schon vorher, spielte in etlichen Bands, komponierte, textete, arrangierte, war Backgroundsänger bei Grönemeyer, tourte mit Tommy Engel. Bei den Fööss steht er in der ersten Reihe.

Kürzlich hatte Pit Hupperten Urlaub von den Fööss. Urlaub vom Rheinland. Ab nach Berlin. Grönemeyer hat angerufen. Ob Hupperten nochmal für eine Konzert-Aufzeichnung als Background-Sänger auftreten möchte.  Der gebürtige Leverkusener wollte und nahm, weil auch ein zweiter Sänger gesucht wurde, gleich Mirko Bäumer mit. „Das war schon witzig, dass zwei Fööss bei Grönemeyer gesungen haben“, erzählt Pit Hupperten. Salopp formuliert: Kult-Kölsch trifft auf Kultnuschelpop.

Der gebürtige Schlebuscher, aufgewachsen in Opladen, kennt Grönemeyer von früher: Da hat er von 2011 bis 2013 während der „Schiffsverkehr“-Tour im Background gesungen. Seit eineinhalb Jahren steht Hupperten im Vordergrund: Der 44-Jährige ist Sänger und Gitarrist bei den Bläck Fööss. Der Nachfolger von Peter Schütten hat gerade mit der Kölner Band die CD „Su schön wie augenblecklich“ aufgenommen, hatte die Produktionsleitung inne, schrieb an vielen der 15 Stücke mit. Und man hört’s.

Sänger und Gitarrist: Pit Hupperten liebt den Live-Auftritt. Foto: Uwe Miserius/Miserius, Uwe (umi)

Bei „Mädcher“ zum Beispiel. Das klingt funky, erinnert an gute Lieder von Prince. Erinnert an Pit Hupperten und die Allerwertesten, der Band, die unter anderem im Opladener Scala  beim Tanz in den Mai  mit Funk und Soul und viel stimmlicher Abwechslung verzückte.  „Die Idee zu der Nummer kommt von mir, das ist schon funkiger. Das gab es so im Kölschen noch nicht“, sagt Hupperten. Bei „Mädcher“ singt er den Refrain  mit Kopfstimme. „Eigentlich bin ich als Nachfolger von Peter Schütten eher für die tiefen Tonlagen zuständig. Aber das Schöne ist, auch bei den Fööss kann ich mich ausprobieren.“ Hier kann der 44-Jährige sich entfalten als Live-Musiker, Texter, Komponist,  Arrangeur. Und: „Es ist gleich um die Ecke. Die Anfahrtswege sind nicht mehr so weit wie früher.“

Die Kultband, deren Keyboarder Andreas Wegener aus Opladen stammt, hat auf der CD stilistisch viel ausprobiert: Funk, Tango, Reggae, Anklänge des Stils der 20er und 30er-Jahre... „Die CD ist auch eine Rückführung zu den 70er und 80er Jahren. Damals haben die Fööss  sich auch stilistisch ausgelebt. Ich finde es gut, dass wir – neben traditionellen und neuen Klängen – jetzt dazu wieder eine Brücke geschlagen haben“, betont der Vollblutmusiker.

Der Musiker Pit Hupperten wuchs in Opladen auf, lebte lange in der Stadt. Seit kurzem wohnt er in Bergisch Gladbach. Foto: Miserius, Uwe (umi)

In den 70er und 80er  Jahren war Pit Hupperten ein Kind. Eines, das groß geworden ist auch mit den Liedern von BAP, LSE und eben den Bläck Fööss. Dass er Jahrzehnte später selbst einer der Fööss wird, hat er sich damals nicht träumen lassen. Jetzt ist es passiert. Und Hupperten wirkt nach eineinhalb Jahren immer noch absolut begeistert darüber. „Ich bin einer von sieben, habe volles Mitspracherecht. Wir diskutieren, welcher Song gut zu den Fööss passt. Aber bei uns läuft es ziemlich harmonisch.“

Hupperten hatte auch Angebote anderer kölschsprachiger Bands, aber das hätte nicht funktioniert, sagt er. „Bei den Bläck Fööss fühle ich mich wohl.“  Auch mit der Mundart. Hupperten muss lachen. „Einen Kölsch-Kurs musste ich nicht belegen.“ Und ja, die Föös seien jetzt sein „Hauptding“. Gerne würde er sehr lange in dieser Band bleiben – und so lange es geht auch mit den Urgesteinen Erry Stocklosa und „Bömmel“ Lückerath. Aber er will auch mitgestalten für die Zeit, in der die Band ohne die Gründungsmitglieder spielen wird.

Klar, er habe am Anfang Ehrfurcht gehabt vor dieser Kultband. Aber zu viel darüber nachdenken, bringe nichts, lieber einfach machen, merkt er an. In diese Richtung geht eines der neuen Lieder: „Lommer nimmih lommer sage“. Tenor des Textes: Nicht immer nur da­rüber reden, was man mal machen müsste, sondern es eben mal machen.

Klar war auch, dass er Peter Schütten nicht ersetzen kann, sondern es anders macht als dieser. Nur: „Den kölschen Auftrag an uns müssen wir erhalten. Die Fööss sind nie nur eine Karnevals- und Gute-Laune-Band gewesen, manchmal sind sie ironisch, manchmal auch sehr kritisch. Von einer kölschen Band wird das nicht immer so erwartet.“

Bei Herbert Grönemeyer sang Hupperten schon früher im Background. Auch jetzt für die Aufzeichnung eines Konzerts zu Grönemeyers neuer CD. Foto: dpa/Jens Kalaene

Stimmt. Auf der neuen CD geht es beim titelgebenden Song „Su schön wie augenblecklich“  ziemlich ironisch um aktuelle Themen wie Niedrigzins, Dieselskandal, Klima und Rente. In anderen Stücken geht um die Facetten der Liebe. Und es geht auch um ganz alltägliche Ärgerthemen wie in „Wau Wau Hunde AA“, das dabei so leichtfüßig-witzig daherkommt, wie man es von einer Band wie den Bläck Fööss erwarten darf.