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Pflegerin aus Klinikum Leverkusen: „Pflege braucht mehr Wertschätzung“​

Alltag einer Mitarbeiterin des Klinikums Leverkusen : „Pflege braucht mehr Wertschätzung“

Die Patienten werden älter, die Versorgung  wird aufwändiger, die Bürokratie nimmt zu, Fachkräfte fehlen: Krankenpflegerin Stefanie Sichelschmidt über Job, Pandemie und den Wunsch, dass ihr Beruf als attraktiv wahrgenommen wird.

Das Härteste an ihrem Job? Ist nicht die Nachtschicht. Oder der Dienst an Weihnachten, wenn alle anderen feiern. Das Härteste an ihrem Job, sagt Stefanie Sichelschmidt, „ist die Bürokratie. Die hat über die vergangenen 20 Jahre erheblich zugenommen.“ Und nimmt Zeit weg, die die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin lieber ihren Patienten widmen würde. Sichelschmidt ist stellvertretende Stationsleiterin der Allgemeinen Inneren, Infektiologie und Altersmedizin am Klinikum. In der Hochphase der Pandemie war ihre Station – 31 Betten – zeitweise komplett mit Corona-Patienten belegt. „Klar, am Anfang war Corona aufregend, weil es neu war“, erzählt die 37-Jährige, aber im Grunde sei es aus pflegerischer Sicht eben eine Infektionskrankheit. Und mit diesen hat die Krankenpflegerin täglich zu tun.

Zwölf Betten auf der Station sind der Infektiologie vorbehalten, in den übrigen Betten liegen Patienten mit Leiden, die – Sichelschmidt drückt es salopp aus – „die Innereien betreffen, Niereninsuffizienz zum Beispiel, die Lungenerkrankung COPD. Zudem geriatrische Behandlungen. Derzeit bauen wir unsere Altersmedizin aus.“ Dazu wird das Klinikum weitere Mitarbeiter einstellen.

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Speziell für diese Aufgabe hat Stefanie Sichelschmidt eine zusätzliche einjährige Ausbildung zur geriatrischen Schwester gemacht. Weil sie gerne auch mit alten Menschen arbeite, sagt sie. Früher pflegte sie ihre Oma, kam dadurch auch mit Pflegern im Krankenhaus in Berührung. Sichelschmidt hat dieser Beruf interessiert. Weil er das kombiniert, was sie interessiert. Mit Menschen zu arbeiten und die Medizin.

Drei Jahre dauerte die Ausbildung, an keinem Tag davon habe sie ihre Entscheidung bereut, versichert sie. Und heute? „Ich bin immer noch mit Herzblut dabei. Man muss das mit dem Herzen machen, sonst ist es einfach nicht das Richtige“, sagt sie überzeugt.

Trotz Herzblut und richtiger Entscheidung für ihren Beruf wünscht sich Stefanie Sichelschmidt wie viele andere ihrer Kollegen Wertschätzung. Nicht nur am Tag der Pflege, der kürzlich die Aufmerksamkeit auf dieses Berufsfeld richtete. „Es ist nicht mit ein bisschen mehr Geld getan. Wer im Tarifvertrag arbeitet, der ist eigentlich schon ganz gut bezahlt. Auch nicht nur mit lobenden Worten“, betont die Krankenpflegerin. „Es braucht einfach mehr Personal, damit die Patienten adäquat versorgt werden können.“

Im Klinikum, wie in anderen Krankenhäusern auch, gebe es offene Stellen im Pflegebereich. Allein, es fehle auf dem Markt an Fachkräften, ergänzt Klinikum-Sprecherin Sandra Samper. „Viele Azubis stellen sich die Arbeit vor Antritt der Ausbildung anders vor, als sie in der Realität ist“, berichtet Stefanie Sichelschmidt aus ihrer eigenen Erfahrung.

Und ist wieder beim Thema Bürokratie: Sie und ihre Kollegen müssen Fieberkurven, Blutzuckermessungen, Pflegemaßnahmen, geriatrische Komplettbehandlungen und mehr regelmäßig genau dokumentieren – in unterschiedlichen Programmen. Dazu komme dann das, was sich die meisten unter ihrem Beruf vorstellten: die Patientenversorgung, etwa die Lagerung, das Anreichen von Essen, Hilfestellungen beim Toilettengang, schildert die 37-Jährige.

 „Die Patienten sind älter geworden, die Krankheiten mehr erforscht, viele liegen hier nicht nur mit einer, sondern mit mehreren Krankheiten.“ Um so wichtiger sei, dass es mehr Personal gebe. Und um so wichtiger auch, dass jungen Leuten vermittelt werden könne, „dass es attraktiv ist, in der Pflege zu arbeiten“.