Pfarrer werden im Kirchenkreis Leverkusen Mangelware

Die Synode bereitet sich auf Umstrukturierung der Gemeinden vor : Pfarrer werden im Kirchenkreis Mangelware

Die Synode bereitet sich auf Umstrukturierung der Gemeinden vor

Es ist fünf Jahre her, da liefen die letzten Sonderdienststellen für evangelische Pfarrer aus. Sie waren zuvor von der Rheinischen Landeskirche eingerichtet worden, um die große Zahl der Berufsanfänger unterbringen zu können. Inzwischen sind evangelische Pfarrer Mangelware. 1980 gingen noch 30 bis 40 Bewerbungen pro ausgeschriebene Pfarrstelle ein, heute können Bewerber zwischen vielen Stellenangeboten wählen. Die kleinen Gemeinden, etwa im Hunsrück, kennen die Situation schon länger, aber über kurz oder lang wird man sich auch in attraktiveren Gebieten entlang der Rheinschiene auf den Personalnotstand einstellen.

Bei der Synode des Kirchenkreises Leverkusen – zu dem auch die Gemeinden in den Kommunen Leichlingen, Burscheid, Langenfeld und Monheim gehören – wurden nun die Weichen gestellt, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Die lässt sich berechnen, denn in den nächsten zehn Jahren erreichen so viele Pfarrer das Ruhestandsalter, dass sich die Zahl von jetzt 28 auf zwölf reduzieren wird.

Es fehlt der Nachwuchs. Der emeritierte Theologieprofessor Michael Klessmann versorgte die knapp 100 Synodalen in seinem Referat mit weiteren Daten. Machten 1980 noch 1100 Theologiestudenten im Bereich der Rheinischen Landeskirche jährlich ihren Abschluss, sind es heute 100. Die Formel Kirche = Pfarrer und Pfarrer = Kirche gelte künftig nicht mehr. „Die Zeiten der festen Rollen sind vorbei.“

Die Infos wurden auf der Synode auf den Kirchenkreis heruntergebrochen, und es gab ein klares Votum für die Einleitung eines Prozesses, der Regularien schaffen soll, wie der pastorale Dienst auch in zehn Jahren noch geleistet werden kann. Superintendent Gert-René Loerken setzt auf Ehrenamtliche. Aufgabe der verbliebenen Pfarrer werde vornehmlich sein, die Ausbildung, Supervision und Begleitung der Freiwilligen sicherzustellen. Ähnlich wie es mit dem neuen Seelsorge-Konzept im Kirchenkreis bereits erfolgreich läuft.

Gerade hat der fünfte Kursus mit der Ausbildung begonnen, die Absolventen der ersten Kurse begleiten bereits Patienten auf der Krebsstation oder in Altenheimen. „Das läuft richtig gut“, sagt Loerken, der in die Zukunft blickt, wenn es um pastorale Gemeindearbeit geht. Aber man brauche die Strukturen für eine gute Qualifikation von Ehrenamtlichen: „Das heißt außerdem, wir müssen umdenken.“ Gemeinden müssten sich zusammenschließen oder Kooperationen schaffen, wie es in der katholischen Kirche der Fall sei.

Dem Thema Finanzen gilt nicht seine größte Sorge, obwohl Hochrechnungen besagen, dass die Zahl der Gemeindemitglieder im Kirchenkreis von jetzt knapp 70.000 bis   2030 auf 54.000 zurückgeht. Die Personalknappheit treffe die Kirche nicht nur bei Pfarrern, sondern auch bei Erziehern und in der Jugendarbeit.