Interview Frank Schönberger: Persönliche Spielchen lasse ich nicht zu

Interview Frank Schönberger: Persönliche Spielchen lasse ich nicht zu

Frank Schönberger ist pünktlich. Ob Verhandlungen vor Gericht oder ein Interview in der RP-Redaktion: Der Mann ist ein Muster an Disziplin. Im Gespräch zeigt der Rechtsanwalt (54), der am Samstag an die Spitze der Leverkusener CDU gewählt wurde, auch, dass er "loslassen" kann. Der neue Leverkusener CDU-Vorsitzende über seine Ziele, den politischen Umgang miteinander und ein Angebot an alle.

Glückwunsch zu Ihrer Wahl. Wie waren die ersten Tage als Parteichef — geprägt von Gratulanten?

Schönberger Die gab es natürlich. Ich habe aber vor allem jede Menge Gespräche geführt. Wir haben schließlich am vergangenen Samstag einige neue, vor allem junge, Leute in den Vorstand gewählt. Jetzt geht es darum, einen Termin für die konstituierende Vorstandssitzung zu finden. Dann wollen wir unsere Zielvorstellungen untereinander abstimmen, um sie am 12. Dezember bei der Kreiskonferenz zu präsentieren.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Vorstandsteam?

Schönberger Sehr. Ich glaube, wir haben eine sehr gute Mischung aus erfahrenen Kräften und jungen Leuten gefunden, die vor allem eines eint: der Wille, sachlich und themenbezogen miteinander zu arbeiten.

Das betonen Sie jetzt sehr deutlich... .

Schönberger ... weil es mir sehr wichtig ist. Ich bin absoluter Verfechter einer Politik, die unabhängig vom Ansehen einer Person gute Sachpolitik fördert. Das heißt konkret: Wer immer aus der CDU einen guten Sachvorschlag macht, kann sicher sein, in mir einen Fürsprecher zu finden. Ich habe auf dem Parteitag am Samstag aber unmissverständlich deutlich gemacht, dass das genauso in der anderen Richtung funktioniert. Wer glaubt, die CDU unsachlich als persönliche Bühne zu missbrauchen und nur sein persönliches Süppchen kocht, wird bei mir auf Granit beißen — und sei er noch so angesehen. Solche Spielchen lasse ich nicht zu.

Hat Sie diese Aussage Stimmen gekostet? Ihr Wahlergebnis war mit 69 Ja-Stimmen bei 29 Nein-Stimmen und 15 Enthaltungen nicht schlecht, aber auch nicht überwältigend.

Schönberger Das hat mich mit Sicherheit Stimmen gekostet. Aber ich bin trotzdem sehr zufrieden. Insbesondere die Nein-Stimmen sehe ich als Herausforderung an, zu beweisen, dass ich zu meinem Wort stehe, und die Parteimitglieder mit harter Arbeit von der Richtigkeit meiner Positionen zu überzeugen.

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Wo setzen Sie sachlich Ihre Schwerpunkte?

Schönberger Das ergibt sich ein Stück weit natürlich aus meinem Ehrenamt als Vorsitzender der City-Werbegemeinschaft. Der Wirtschaftsstandort Leverkusen muss weiterhin gestärkt werden. Das bedeutet, wir müssen alles tun, um die Voraussetzungen zu schaffen, dass sich Unternehmen hier ansiedeln. Denn nur wenn Geld eingenommen wird, können wir als Stadt auch in eine gute Infrastruktur investieren und mit Kitas und guten Bildungsmöglichkeiten die Voraussetzungen dafür schaffen, dass junge Familien nach Leverkusen ziehen.

Wie funktioniert das konkret?

Schönberger Ein Paradebeispiel ist das Möbelhaus Smidt. Ein solches Unternehmen am Ort zu haben, kann man gar nicht hoch genug bewerten. Dieses Unternehmen beziehungsweise sein Inhaber hat nicht nur die Rundsporthalle (jetzt Smidt-Arena, d. Red.) gerettet, es sponsert auch zahlreiche Veranstaltungen wie Leverkusen on Ice, den Edelrather Seifenkistencup oder Karnevals-Events. Das alles sind Ausgaben, die der Stadt erspart bleiben.

So etwas wollen Sie fördern?

Schönberger Ich tue es schon jetzt. Nehmen Sie die neuen Infostelen, die Besuchern künftig den Weg durch die Stadt weisen werden. Es heißt immer, dass auswärtige Besucher nur in die Rathaus-Galerie fahren und dann wieder verschwinden. Dieses Projekt wirkt deutlich dagegen. Die Stelen sind ein Projekt der Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG), in der sich unter dem Dach der Werbegemeinschaft Investoren zusammengeschlossen haben, um mit viel Herzblut und Geld dauerhaft in den öffentlichen Raum zu investieren. Der Zusammenschluss ging aus von dem Besuch des damaligen Verkehrsministers Oliver Wittke, der den Gesetzentwurf über die Einrichtung von ISGen vorgestellt hat. Wenn Sie so wollen, ist das ein Paradebeispiel für Public Private Partnership. Dazu gehört auch die Attraktivierung der Montanusstraße mit Begrünung und Verweilbereichen, aber auch die Stelen in der City. Die kosten uns übrigens nicht 300 000 Euro, wie oft kritisiert wird, sondern nur 90 000. Das Land trägt den größten Teil.

Anwalt, Malteser- Stadtbeauftragter, City-Werbegemeinschaft, jetzt CDU-Chef — wie schalten Sie noch ab?

Schönberger Ich mache täglich Sport, gehe gerne Joggen. Und dann treffe ich mich immer donnerstags seit mehr als 20 Jahren mit einer Gruppe Freunde. Wir führen oft tolle Gespräche, machen manchmal aber auch nur Unsinn. Das entspannt ungemein.

(RP)
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