1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Papageien-Alarm an der Hausfassade in Leverkusen

Schäden durch Exoten : Papageien-Alarm an der Hausfassade

Der Halsbandsittich ist ein Höhlenbrüter. Dämmplatten halten ihn nicht auf. Seine Vorliebe für Hausfassaden kostet die Wohnungsgesellschaft WGL viel Geld.

Der Kampf „David gegen Goliath“ ist in vollem Gange. Kleine Vögel gegen große Wohnungsgesellschaften. Die ersten Siege gehen an die Halsbandsittiche. Ein munteres Pärchen macht es sich derzeit beispielsweise in der Fassade eines Alkenrather Mehrfamiliengebäudes der Wohnungsgesellschaft Leverkusen (WGL) gemütlich. Insgesamt liegen die durch Vögel stadtweit angerichteten Schäden an Gebäudewänden allein bei der WGL im mittleren fünfstelligen Eurobereich, berichtet Günter Konschalla, Leiter der WGL-Abteilung Instandhaltung.

„Der Halsbandsittich wurde 1967 erstmals im Freiland in Deutschland beobachtet“, schreibt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) auf seiner Internetseite. Heute gebe es 500 Brutpaare in NRW. Dazu etwa 3500 nichtbrütende Artgenossen (Stand 2019). Fachleute sagen, dass die ersten freilebenden Sittiche in Köln „Käfigflüchtlinge“ eines Zoohändlers waren. Obwohl die Tiere ursprünglich aus Asien oder Afrika stammen, gelten Sie heute in Deutschland als heimische Art, da sie schon mehr als drei Generationen überlebt haben.

Seit etwa dem Jahr 2000 sind die Höhlenbrüter bei Hausbesitzern besonders gefürchtet. Speziell Fassaden, die mit Dämmplatten und darauf aufgezogenen dünnen Putzschichten versehen sind, werden von den Sittichen gerne als Brutplatz gewählt. Meist bereitet ein Specht auf der Suche nach Futter den Einbruch in die Fassade vor. Ist erst ein kleines Loch im Putz, vergrößern es die Papageien bis auf etwa acht Zentimeter und graben in die Dämmung eine Höhle.

 Dar Halsbandsittich ist in unseren Breiten längst heimisch geworden.
Dar Halsbandsittich ist in unseren Breiten längst heimisch geworden. Foto: DPA

Das Sittichpärchen am Alkenrather WGL-Haus ist noch beim Ausbau: Kommt ein Vogel heraus, ist sein Gefieder mit Styroporkügelchen übersät, die beim Abflug in einer Wolke davon schweben. Der Gag: Die WGL hat erst vor ein paar Wochen an dieser Fassade zwei Löcher von Handwerkern mit großem Aufwand (Hubsteiger) verschließen lassen. Genau eines dieser Löcher hakten sich die Halsbandsittiche wieder frei.

Die Reparatur solcher Öffnungen kostet die WGL pro Jahr zwischen 30.000 und 50.000 Euro. Momentan droht den Vögeln keine Gefahr: „Bis Oktober dürfen wir nichts unternehmen“, bestätigte WGL-Mitarbeiter Konschalla. Man könne ja so einen Brutplatz nicht einfach verschließen.

Dem Gemeinnützigen Bauverein Opladen (GBO) dagegen bereiten die Sittiche kaum Probleme. Ein Grund: Der Bauverein verfügt meist über denkmalgeschützte Gebäude, die nicht gedämmt werden konnten. „Heutige Fassadensysteme halten den Attacken der Vögel aber stand“, berichtet GBO-Geschäftsführer Alexander Dederichs.

Besondere Erfahrungen machte vor Jahren der Chempark. Sittiche hatten sich Bäume vor der ehemaligen Lanxess-Zentrale am Pförtner 2 als Schlafstätte ausgesucht. Die Vögel flogen pünktlich am späten Nachmittag entlang der Kaiser-Wilhelm-Allee ein – im Formationsflug. Wenn sie am Pförtner fast rechtwinklig abbogen, sah das wie eine Flugshow aus. Vogelfreunde organisierten deshalb sogar Führungen. Die mehrere hundert Vögel starke Schlafgemeinschaft hatte Folgen: fast täglich musste der Gehweg unter den Bäumen von Kot befreit werden. Es bestand erhöhte Rutschgefahr. Currenta versuchte, die Tiere durch einen Falken zu verjagen. Der wurde aber von der Papageienschar so attackiert, dass er flüchtete. Der Falke habe danach psychiatrische Betreuung benötigt, behaupten Insider. Auch der nächtliche Einsatz von Scheinwerfern blieb erfolglos. Nachdem die Vögel erkannt hatten, dass die Lampen ungefährlich sind, setzten sich die sehr lernfähigen Sittiche über die Scheinwerfer und genossen deren Wärme.

Der Sittichbestand in Leverkusen wird auf 1000 Vögel geschätzt.