Leverkusen Opladens "eierlegende Wollmilchsau" polarisiert

Leverkusen · Eine ironisch formulierte Stellenanzeige sorgt deutschlandweit für Diskussionen. Pfleger Michael Tausend aus Leverkusen ist mittendrin.

 Arbeitet seit November in Bergisch Gladbach als Kranken- und Altenpfleger: Michael Tausend aus Opladen.

Arbeitet seit November in Bergisch Gladbach als Kranken- und Altenpfleger: Michael Tausend aus Opladen.

Foto: dpa/Kaiser

Mit diesem Rummel hatte Michael Tausend nicht gerechnet, als er sich im September für die Stelle als Krankenpfleger bei einem Betrieb in Bergisch Gladbach beworben hatte. Vier Monate später steht er im Fokus einer vielschichtigen öffentlichen Diskussion. Nicht etwa, weil er den Job zum 1. November vergangenen Jahres bekommen hat. Sondern aufgrund der skurrilen Stellenausschreibung, die sich seit vergangenem Freitag im Internet - besonders durch die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook - rasant verbreitet. Die meisten Leser schmunzeln, einige rümpfen aber auch die Nase, ob der provokanten Formulierungen.

Unter dem Titel "Eierlegende Wollmilchsau" fasste Firmenmitinhaber Norbert Buchholz die ausgeschriebene Stelle zusammen. Sprich: Ein schlecht bezahlter Alleskönner wird gesucht. In der Folge malt der Chef im Gewand einer üblichen Stellenbeschreibung ein von Ironie triefendes Bild des Pflegerjobs. "Sie haben keinerlei Ambitionen gutes Geld zu verdienen, möchten aber immer mehr Aufgaben übernehmen" oder "keine Aufstiegsmöglichkeiten bei völliger Ausnutzung Ihrer Fähigkeiten" .

 Satirisch: Diese häusliche Krankenpflege aus Bergisch Gladbach suchte mit dieser Anzeige eine Pflegefachkraft - und fand sie in Leverkusen.

Satirisch: Diese häusliche Krankenpflege aus Bergisch Gladbach suchte mit dieser Anzeige eine Pflegefachkraft - und fand sie in Leverkusen.

Foto: Twitter

Im Sommer 2014 hatte Buchholz eine ähnliche Ausschreibung für einen anderen Berufsstand im Urlaub in Bayern wahrgenommen. "Die ist bei mir im Kopf hängengeblieben", sagt der Mitinhaber. Folglich passte er diese für Pflegekräfte an. Dass er damit nun auch eine Diskussion über die Missstände rund um den Beruf der Pflegekräfte entfacht hat, war keineswegs gewollt. "Das kann uns aber nur recht sein. Der Personalmangel in der stationären und ambulanten Pflege ist riesig. Die Politik muss endlich aufwachen, sonst endet das in einem Desaster", sagt Buchholz. Der in Opladen wohnende Pfleger Tausend pflichtet seinem Chef bei: "Die Politik kann dadurch jetzt etwas anstoßen, anstatt weiter Einkaufszentren zu bauen."

Dass es auch kritische Stimmen gibt, die betonen, dass Stellenausschreibungen ein ernstes Thema sind und nicht als Platz für Scherze dienen, kann Buchholz nicht nachvollziehen: "Die Anzahl der Meckerer ist zum Glück verschwindend gering. Ich denke, Satire ist auch hier gerechtfertigt. Entscheidend ist doch der letzte Satz." Dort steht geschrieben: "Nee, jetzt mal ernsthaft, richtig gute Stellen für Alten- und Krankenpflegefachkräfte gibt's bei uns." Michael Tausend befand diese Art der Stellenausschreibung als goldrichtig. "Das war frisch, frech, cool. Es hat alles gut getroffen. Bei den formalen Ausschreibungen wird einem doch nur ins Gesicht gelogen", sagt der 27-Jährige, der in Quettingen aufgewachsen ist.

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Foto: dpa, Angelika Warmuth

Buchholz hält an seiner Idee jedenfalls fest. Die Anzeige ist bereits wieder erschienen. Resultat: Erneut bewarben sich signifikant mehr Pfleger. Zwei davon beginnen bald in Bergisch Gladbach ihre Arbeit.

(RP)
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