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Leverkusen: Opladener Jubiläums-Jahrmarkt

Leverkusen : Opladener Jubiläums-Jahrmarkt

Die Aktionsgemeinschaft Opladen veranstaltet die Kram- und Trödelkirmes seit 40 Jahren. Aber die Geschichte des Volksfests ist viel älter, reicht bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Die Standorte wechselten mehrfach.

Seit 40 Jahren wird die "Kram- und Trödelkirmes" in Opladen von der Aktionsgemeinschaft Opladen (AGO) organisiert. Doch die Opladener Kirmes ist in Wirklichkeit schon viel älter. "Ich war schon 1927 als Fünfjähriger zum ersten Mal auf der Kirmes", erinnert sich Herbert Sondermann aus Opladen.

 Eine "Raketenfahrt zum Mond" versprach diese Fahrattraktion in den 50er Jahren auf der Opladener Herbstkirmes. Dort gab es übrigens auch eine richtige "Geisterbahn", die Groß und Klein Gruselschauer über den Rücken jagte.
Eine "Raketenfahrt zum Mond" versprach diese Fahrattraktion in den 50er Jahren auf der Opladener Herbstkirmes. Dort gab es übrigens auch eine richtige "Geisterbahn", die Groß und Klein Gruselschauer über den Rücken jagte. Foto: E. Miessner

50 Pfennig habe er bei sich gehabt für den ersten Ausflug auf das eine der beiden großen Volksfeste in Opladen, denn damals gab es auch noch das Schützenfest. Die Anfänge der Kirmes gehen auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Auf dem Goetheplatz fand damals die Kirmes statt, dort wo heute das städtische Verwaltungsgebäude steht.

Und damals hätte man ihn beim "Selbstfahrer", was heute Autoscooter heißt, gleich übers Ohr gehauen. "Die ließen mich für 50 Pfennig nur einmal fahren, obwohl ich hätte zehnmal fahren dürfen," sagt Sondermann. Er versuchte noch sein Geld zurückzubekommen, "aber da ging gar nichts." Wohl eine der nachhaltigsten Erfahrungen des Opladeners, die ihm im Gedächtnis blieben.

Später wechselte die Kirmes auf den Fürstenbergplatz und fand immer am letzten Sonntag im August statt. Danach fand sie in der Aue an der Wupper statt, ein ziemlich feuchtes Gebiet, wie der langjährige Chef der AGO berichtet. 1948/49 zog die Kirmes schließlich auf den Marktplatz, wo sie auch in diesem Jahr wieder stattfindet.

Bergischer Pflaumenkuchen

Und weil die Stadt Leverkusen schon damals die Zuschüsse gekürzt habe, hätte die AGO vor 40 Jahren die Kirmes übernommen und zur "Kram- und Trödelkirmes" gemacht, erinnert sich Sondermann. Die AGO vergab den Auftrag zur Ausrichtung an einen Solinger Schaustellerbetrieb, der dafür Geld an die AGO zahlte. Früher war die Kirmes nicht nur bei den Opladenern sehr beliebt, auch aus dem Bergischen kamen die Menschen — aus Solingen, Elberfeld, Ohligs.

Im Opladener Bahn-Ausbesserungswerk waren auch Arbeitskräfte aus dem Bergischen beschäftigt. Die zog es in der Freizeit denn ebenfalls zur Kirmes. Sie brachten die Tradition des Pflaumenkuchenessens aus dem Bergischen mit und sorgten für den sprachlichen Mix von bergischen Tönen mit dem rheinischen Dialekt.

Wenn am Freitag, 27. Juli, die Kram- und Trödelkirmes eröffnet wird, ist auch Herbert Sondermann zur Eröffnung eingeladen. Hingehen wird er aber nicht: "In meinem Alter ist das nicht mehr sinnvoll, dafür kann ich zu schlecht laufen", sagt er.

Aber vielleicht erinnert er sich gerade an dem Kirmes-Wochenende besonders gerne an die Zeiten zurück, in denen er für 50 Pfennig mit dem Autoscooter hätte zehn Runden drehen dürfen. Vorausgesetzt, er wäre damals nicht übers Ohr gehauen worden.

(cpg)