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Leverkusen: Opladener Bankräuber erbeutet 27 500 Euro

Leverkusen : Opladener Bankräuber erbeutet 27 500 Euro

Ein 29-Jähriger, der vor knapp einem halben Jahr die Sparkasse an der Kölner Straße überfallen hat, steht seit gestern in Köln vor Gericht. Schulden und Geldnot hätten ihn zu der Tat getrieben.

Der Druck war groß, die Sparkasse nah. So einfach sei das gewesen im Oktober vorigen Jahres. "Ich hatte nichts mehr zu verlieren", erinnert sich der 29-Jährige. Schulden in sechsstelliger Höhe hätten ihn in die Insolvenz getrieben, er sei aus seiner Wohnung in Wiesdorf geflogen, bei einem Bekannten in Opladen untergekommen. Als dieser ihn rauswerfen wollte, griff der Mann zu seiner Schreckschusspistole und marschierte in die Sparkasse an der Kölner Straße.

Nun sitzt er im Saal des Kölner Landgerichts, soll von sich und seine Tat berichten. Kurz weigert er sich. Als seine Verteidigerin ihm die Bedeutung eines Geständnisses nähergebracht hat, fängt er aber an zu erzählen: Im Ruhrgebiet aufgewachsen, kam er vor etwa sieben Jahren nach Leverkusen, um die Filiale eines Schnellrestaurants zu leiten. Das Vorhaben floppte, er stand knietief in Schulden. Auch das Pachten einer Bäckerei in Opladen entpuppte sich nicht als Glücksfall. Gut ein Jahr fand er beim Bekannten in der Neustadt Unterschlupf. Aber es kam der Tag, an dem es für den 29-Jährigen hieß: Entweder du bringst Geld ran oder du fliegst raus. Für ihn bedeutete das: Obdachlosigkeit oder ein krummes Ding drehen? Und Obdachlosigkeit kam für ihn offenbar nicht infrage.

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Nachdem er sich tags zuvor in der Sparkasse in Wiesdorf mit der Pistole (sie sei stets ungeladen gewesen, beteuert der Angeklagte) in der Tasche umgeschaut hat, machte er am 23. Oktober in Opladen Ernst: Mittags, kurz nach zwölf, geht er komplett unmaskiert in die Bank. Zig Kameras filmen ihn und sein Vorgehen. "Ich bin zu Schalter zwei, denn Schalter eins war besetzt. Dort habe ich meine Waffe gezogen und die Tüte rübergereicht", erzählt der Mann. Wie er sich dabei gefühlt habe? "Ganz normal, als hätte ich Geld gewechselt."

Er habe "ein böses Gesicht gemacht" und zu der Sparkassen-Mitarbeiterin gesagt, "dass das kein Spaß ist" und "dass sie bitte aufhören soll, den Alarmknopf zu drücken". Schließlich trat er mit seiner Tüte die Flucht an. Zurück in der Wohnung in der Neustadt habe er geduscht und gefrühstückt — und die Beute gezählt: 27 500 Euro.

Wenige Tage später griff ihn die Polizei auf, "nahm mich mit nach Köln und nahm meine Fingerabdrücke". Dann durfte er wieder gehen. Der Hintergrund: Um sich nach dem Raub nicht in der unmittelbaren Nähe des Tatorts aufzuhalten, habe er nach dem Überfall zunächst in Hotels übernachtet: Im Best Western habe er auf dem Zimmer geraucht — der Alarm wurde ausgelöst, rief die Polizei auf den Plan.

Dass der 29-Jährige der Bankräuber ist, kam erst zwei Wochen nach der Tat raus. Er wurde unweit der Opladener Wohnung festgenommen. In der Zwischenzeit sei Geld für Lebensmittel, Schuhe, das Zurückzahlen von Schulden sowie Hotelrechnungen ausgegeben worden. Der Rest der Beute, das kommt vor Gericht zur Sprache, bleibt verschollen. Wo sie ist, dafür liefert der Angeklagte keine Antwort. Heute soll das Urteil gegen ihn fallen.

(zill)