Opladen: Streifzug durch die Geschichte des früheren Ausbesserungswerks.

Ausbesserungswerk : Ex-Bahner schwelgen in Erinnerungen

Der Arbeitskreis Literatur hatte zu einem Streifzug durch die Geschichte des Ausbesserungswerks geladen.

Das Ausbesserungswerk Opladen ist nunmehr seit 16 Jahren geschlossen. Die vielen Emotionen der ehemaligen Belegschaft und Eisenbahnliebhaber jedoch sind geblieben. Zu einem Abend voller Rückblicke versammelten sich jetzt weit über 100 Menschen in der Neuen Bahnstadt. In der International Academy von PMC Rail hatte der Arbeitskreis Literatur zwar durchaus mit vielen Menschen gerechnet, dass der große Raum aber schon früh aus allen Nähten platzen würde, damit rechnete niemand. Allen voran Vorsitzender Rüdiger Scholz entschuldigte sich mehrfach bei den Anwesenden. „Wir haben mit Vielem gerechnet, aber das ist überwältigend“, sagte er.

So knubbelten sich Eisenbahner gar in der Tür während an der Wand eine Reportage des WDR von 1983 flackerte. Die Augen im Publikum wurden merklich größer, die Mundwinkel der Beteiligten zeigten nach oben. Da war es: das Werk in Bewegtbild, Erinnerungen in Bewegtbild. Schnee liegt vor den Toren des Werks und über Opladen verteilt. „Hach, schön“ murmelte Einer.

So sah das Ausbessungswerk aus. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Die Opladener Präzisionsarbeiter zeigte sich damals für den Tüv von allen Lokomotiven oberhalb der Main-Linie verantwortlich. Das bedeutete: 1000 Loks im Jahr wurden hier überprüft, auseinander- und wieder zusammengeschraubt, auf Vordermann gebracht und zum Schluss abgefertigt. Eine Leistung, auf die man stolz sein darf.

Beim Anblick der Halle riecht es schon nur vom Zusehen nach Industrie, nach ehrlicher und harter Arbeit. Die Menschen sorgten dafür, dass die Lokomotiven rund 700.000 Kilometer im Jahr fahren konnten – das zumindest war das Ziel. Der Motor hielt dabei zwei bis vier Jahre und für bis zu 800.000 Kilometer.

E-Loks waren damals gerade der neuste Schrei. Und so hatte sich das Werk in Opladen einige Jahre zuvor auf diese spezialisiert. Noch vor den 60er-Jahren konnten die Arbeiter im gigantischen Ausbesserungswerk sieben Hauptfertigungsgebiete bedienen. „Das war einmalig in Deutschland“, verkündete Eisenbahn-Experte Kurt Kaiß. Die meisten Werke verfügten über maximal drei dieser Gebiete. Doch es war vor allem noch etwas: unwirtschaftlich. So verkleinerte sich das Werk gut 60 Jahre nach dessen Gründung im Jahr 1903, und fertigte nun nur noch E-Lokomotiven an – rund 1500 im Jahr.

Über die Jahre machte die Belegschaft viele Veränderungen mit. Bis das Werk schließlich 100 Jahre nach Öffnung schloss. Viele der Arbeiter verbinden mit dem alten Gemäuer lebhafte Erinnerungen. Und vielleicht auch ein wenig „die gute alte Zeit“, wie einer der Eisenbahner beim Anblick der Bilder leise seufzte.

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