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Opladen: Corona-Einschränkung im Wohnheim für Menschen mit Behinderung

Wohnheim für Menschen mit Behinderung : In der Krise enger zusammengewachsen

Corona-Beschränkungen in Wohnheimen für Menschen mit Behinderung treffen diese besonders hart. So durften Angehörige die Bewohner nicht besuchen, die Arbeit in der Werkstatt fiel weg. Aber: Die Hausgemeinschaft ist daran auch gewachsen, erzählen Bewohner und Teammitarbeiter aus Quettingen.

„Ich möchte endlich wieder zur Arbeit in der Werkstatt gehen und Geld verdienen“, stöhnt Sebastian Friese. Die regelmäßige Beschäftigung fehlt dem jungen Mann und häufig ist es ihm langweilig. nur zu Hause zu sein. Mit 15 anderen Bewohnern lebt er im Wohnhaus für Menschen mit Behinderung, das vom LVR-Verbund Heilpädagogische Hilfen getragen wird. Dabei hat es dort in den vergangenen Corona-Wochen so viele kreative wie sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten gegeben wie nie zuvor.

Unterstützung bekam das Betreuer-Team auch von Mitarbeitern der Werkstätten der Lebenshilfe, in denen die meisten Bewohner normalerweise von acht bis 16 Uhr arbeiten. Danach haben sie an einigen Tagen noch feste Termine wie Sportgruppen oder Musik. Sebastian Friese etwa gehört als Sänger und Trommler zu den Leverkusener Stadtmusikanten, mit denen er einmal wöchentlich probt. Normalerweise, doch seit Mitte März ist für ihn und seine Mitbewohner alles ganz anders.

In den Wohnheimen galt zunächst eine totale Besuchs- und Ausgangssperre, sagt Regionalleiterin Katja Bedra, die auch die beiden anderen LVR-Wohnheime in Opladen und Rheindorf betreut. Der Kontakt war auf die Bewohner im Haus beschränkt, das Personal versuchte sie mit Abstand und Mund-Nasenmaske zu schützen. Die wird im Haus immer noch konsequent getragen und nur im Garten abgesetzt. Sebastian Friese mag das gar nicht, denn: „Man kann das Gesicht gar nicht richtig sehen.“

Sarah Bueno-Feldhoff hatte es anfangs noch schwerer. Wegen eines Klinikaufenthaltes musste sie für zwei Wochen in Quarantäne und konnte ihr Zimmer gar nicht verlassen. „Das war schrecklich langweilig“, sagt die junge Frau. „Obwohl wir oft vor der Tür gestanden und uns mit ihr unterhalten haben“, ergänzt Teamleiterin Alissa Wilmsen. Als die 14 Tage geschafft waren, haben das alle als Erleichterung empfunden. Aber schwer waren die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit für alle. „Ich war oft traurig, dass ich meine Familie nicht sehen konnte“, erinnert sich Bueno-Feldhoff. Das ist inzwischen wieder möglich – mit Einschränkungen und keineswegs wie im Normalzustand. Besuche dürfen nur draußen im Garten oder unter dem Vordach empfangen werden. Im Haus haben Fremde bisher keinen Zutritt, zum Schutz der Bewohner zwischen 19 und 81 Jahren.

Inzwischen dürfen sie das Haus verlassen zum Einkaufen oder Spazierengehen, allerdings sollen sie nicht länger als zwei Stunden fernbleiben. Einer kann auch wieder zur Arbeit gehen in der Bürriger Werkstatt, die den eingeschränkten Betrieb aufgenommen hat. Zunächst mit jenen, die verlässlich die Hygienemaßnahmen befolgen können.

Für alle, die seit Wochen den Alltag im Wohnheim verbringen, hat man sich viel einfallen lassen, baute ein Insektenhotel für den Garten und Grasköpfe. Bueno-Feldhoff beschreibt: „Wir haben Strümpfe mit Erde und Samen gefüllt. Dann ist das Gras rausgewachsen.“ Es gab Sportangebote, zum Aufwärmen wurden Wasserkästen alle Treppen rauf und wieder runter geschleppt. Am neuen Boxsack können überschüssige Kräfte ausgelassen werden; es wurde Kuchen gebacken und gegessen und ein schicker, nagelneuer Grill eingeweiht. Einen positiven Effekt hatte die extreme Ausnahmesituation immerhin. „Die Hausgemeinschaft ist viel enger zusammengewachsen“, stellt Alissa Wilmsen fest.