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Opladen: Bepflanzte Dächer kühlen die Bahnstadt

Bahnhofsquartier Opladen : Bepflanzte Dächer kühlen die Bahnstadt

Wird’s im Sommer warm, wird’s Klima in der Stadt stickig. Dachgrün auf dem neuen Opladener Busbahnhof und den Häusern im angrenzenden Quartier soll helfen und zudem Insekten wie etwas Wildbienen locken.

Nahezu ein Viertel Nordrhein-Westfalens ist mittlerweile Siedlungs- oder Verkehrsfläche. Täglich kommen dem Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz zufolge etwa zehn Hektar Boden hinzu, der zur Bebauung freigegeben wird. Die Hälfte davon verschwindet unter Beton und Asphalt, wird versiegelt. Das entspricht etwa sieben Fußballfeldern. Im Zusammenspiel mit dem Klimawandel hat das für die Städte katastrophale Folgen: Sie heizen sich stark auf, werden zu Hitzeinseln.

Dieser Entwicklung wollen Stadtplaner mit grünen Lösungen entgegenwirken. So wie im entstehenden Bahnhofsquartier in Opladen. „Die zunehmende Erwärmung der Städte durch Versiegelung ist ein großes Problem“, sagt Bahnstadtchefin Vera Rottes. In Opladen soll etwas dagegen getan werden. Während sich Gebäude und Asphalt durch Sonneneinstrahlung tagesüber stark aufheizen, zum Wärmespeicher werden und nachts die Hitze unzureichend abgeben, können Pflanzen diesen Prozess abmildern und gleichzeitig die Luft filtern. „Es geht darum, mit der Natur zu bauen, Grünflächen anzubieten. Durch Begrünung schafft man es am besten, die Aufheizung einzugrenzen und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten“, sagt Rottes. Nachhaltige Stadtentwicklung nennt sich das im Fachjargon.

So könnte das Bahnhofsqaurtier aus der Vogelperspektive aussehen, dessen Dächer kühlend wirken und interessant für Insekten sein sollen. Foto: Kadawittfeldarchitekten

Konkret sieht das Konzept des Bahnhofsquartiers vor, die Dächer der zehn Gebäude, in denen Wohnungen, Geschäfte, Lokale, Büros und ein Hotel entstehen soll, und den neuen Busbahnhof unter anderem mit pflegeleichten Stauden zu bepflanzen. „Wir haben dadurch drei positive Effekte: Die Pflanzen bilden eine grüne Schicht und reduzieren so die Aufheizung der Gebäude, bieten Lebensraum für Insekten und verschönern das Stadtbild“, erläutert Rottes. Der Blick von der Bahnhofsbrücke solle dann zu beiden Seiten die farbenfrohen Pflanzen-Teppiche der Dächer zeigen, wenn das Quartier auf der Bahnstadt-Westseite einmal fertig ist.

Bis Oktober dürften zumindest die Arbeiten am Busbahnhof beendet sein, der 6,23 Millionen Euro kosten soll. 2,1 Millionen entfallen dabei voraussichtlich auf die begrünten Überdachungen. Auf ihnen sollen verschiedene Kräuter und Sedum-Arten wie Mauerpfeffer und Fetthenne wachsen. Die fleischigen Blätter dieser Stauden sind besonders hitzeverträglich, brauchen wenig Wasser, weil sie Feuchtigkeit gut speichern können und überleben auch kalte Winter. Im Sommer sind Sedum-Stauden vor allem bei Wildbienen beliebt und erblühen in allen Farben. „Uns war es wichtig, Pflanzen zu finden, die mit großer Trockenheit klarkommen. Es kann ja nicht ständig jemand gießen“, sagt die Bahnstadtchefin. Die nun gewählte Mischung müsse allenfalls zurückgeschnitten werden.

Wichtiges Thema bei der Planung: das Gewicht durch die Bepflanzung. Dafür wurden spezielle Dächer gewählt, die für Begrünung ausgelegt sind. Sie sind abgedichtet, wurzelfest und mit einer speziellen Vliesschicht überzogen, die Regen speichert und über das Substrat an die Pflanzen abgibt. Mit den vorgesehenen Grünflächen, Bäumen und berankten Lärmschutzwänden sollen die Dachbegrünungen Synergieeffekte für Mensch und Natur erzeugen. Rottes: „Wir wollen etwas bauen, das dem Klimaschutz dienlich ist und das Leben für die Menschen angenehm macht.“