OGV will Stadtgeschichte neu schreiben

Bürgerdialog : OGV will Stadtgeschichte neu schreiben

Mehrere Vereine wollen bis 2025 die Heimatgeschichte dokumentieren. Beim ersten Treffen gab es auch Zweifler.

Das Bewusstsein für die eigene Stadtgeschichte in der Gesellschaft schärfen möchte der Opladener Geschichtsverein (OGV) mit einem einmaligen Projekt. Mit möglichst vielen Beteiligten hat sich der Verein zum Ziel gesetzt, die moderne Geschichte der Stadt aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, Anekdoten und Erlebnisse zu sammeln und zu dokumentieren.

Es ist ein ambitioniertes Projekt, das sich der OGV gesetzt hat und für das es viele helfende Hände benötigt. Ein Projekt, vielversprechend und spannend, das aber wiederum nicht allen engagierten Akteure in diesem Bereich auf Anhieb zusagte. Vertreter diverser Vereine, die sich aktiv um den Erhalt von Heimatgeschichte bemühen, waren am Dienstagabend nämlich zu einem ersten Bürgerdialog ins Forum eingeladen worden. Dort stellte Professor Dr. Wolfgang Hasberg das Konzept des Projekts vor.

Die Idee: Die Geschichte der Stadt Leverkusen für die Zukunft zu schreiben und schwerpunktmäßig die Auswirkung der kommunalen Neugliederung zu beleuchten, die 2025 ihr 50. Jubiläum feiert. Ob daraus am Ende eine Publikation entsteht, eine Ausstellung oder ein Film, ließ Hasberg offen. „Wir wollen ergebnisoffen arbeiten und einfach das zusammentragen, was wir finden.“

Durch die kommunale Neugliederung von 1975 habe sich nicht nur die Stadt verändert, sondern auch die Gesellschaft. „Dorfbewohner wie in Bergisch Neukirchen wurden plötzlich zu Städtern“, bemerkte Hasberg. Das könne nicht reibungslos geschehen sein. Auf der Suche nach solchen Reibungsfeldern wolle sich der Historiker auf den Weg machen und animierte auch die zahlreichen Engagierten der Stadtgesellschaft mitzuwirken, Geschichten und Quellen beizutragen, gemeinsam an der modernen Geschichte der jungen Stadt Leverkusen mitzuarbeiten.

„Das können wir nicht leisten“, urteilte Christiane Grewer vom Kolonie-Museum. Sie seien alle ehrenamtlich tätig, sie beispielsweise auch noch berufstätig. Zusätzlich noch in die Recherche einzusteigen, schien ihr offenkundig nicht machbar. Hasberg beruhigt. Es ginge es nicht um eine Forschungsarbeit, sondern auch um den Austausch und das Netzwerken untereinander. „Man kann ja die Dinge, die man schon hat, zusammentragen.“

So manch einer witterte bei dieser Zusammenkunft, dass der OGV von den Quellen und Arbeit der anderen Vereine profitieren wolle. „Ich habe keine Zeit, Geschichten meines Stadtteils aufzuschreiben, und wenn ich das tu, dann will ich sie doch lieber vorher selber veröffentlichen, als euch die Arbeit zu liefern“, äußerte ein Mitglied eines örtlichen Verkehrs- und Verschönerungsvereins.

Mitglieder des Archivs und der Stadtbibliothek hatten derweil gehofft, beim Bürgerdialog ein Gremium zu finden, dass die Koordination zu den Vorbereitungen zu der 90-Jahr-Feier Leverkusens im kommenden Jahr übernehme.

„Das ist doch ein erster Schritt“, bemerkte OGV-Vorsitzender Michael Gutbier, der sich eine stärkere Zusammenarbeit der um Heimatgeschichte bemühten Vereine wünscht. Nur gemeinsam könne ein stärkeres stadtgeschichtliches Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft geschaffen werden.

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