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Öden Rász tritt im Erholungshaus Leverkusen auf

Öden Rász spielt in Leverkusen : Wenn der Kontrabass ins Rampenlicht rückt

Ein außergewöhnliches Konzert mit feinem Orchester und wahnwitzigen Kontrabass-Soli von Öden Rász begeisterte das Publikum.

Ohne Zweifel hat er im Orchester eine wichtige Rolle, weil er als tiefstes Streichinstrument für einen sicheren Grund sorgen muss: zuverlässig aber bescheiden. In den Vordergrund schafft es der Kontrabass eher selten. Und ein solch seltenes Ereignis verschafften Werner Ehrhardt und sein Ensemble l’arte del mondo dem Leverkusener Publikum im Erholungshaus.

Das hätte zu diesem besonderen Anlass eigentlich komplett gefüllt sein müssen, denn im Mittelpunkt des Abends stand einer, der in den vergangenen Jahren das Image des Streicher-Elefanten tüchtig aufpoliert hat: Ödön Rász. „Mein Ziel ist es, auf dem Kontrabass zu singen“, hat der in Budapest geborene Musiker einer ganzen Familie von Kontrabassisten im Interview gesagt. Wie sich das anhört, erlebte das Publikum von Bayer Kultur, das sich bereits in der Pause angeregt über die ungewohnte Hörerfahrung austauschte. Und da hatten sie nur die erste Kostprobe mit einem Kontrabass als Solisten im Konzert h-Moll von Giovanni Bottesini gehört. Mit dem Image eines schwerfälligen Instruments hatte Ödön Rász da bereits aufgeräumt, denn das dreisätzige Werk enthält für den Solisten so manche Passage, bei der die linke Hand nur so über den langen Hals des Instruments fliegt. Virtuose Läufe und wahnwitzige Sprünge, die auch enorme körperliche Anstrengung bedeuten.Kann man eigentlich vom Kontrabass-Spiel einen Tennisarm bekommen?

Das Schöne: Man sieht die sportliche Leistung – da konnte wirklich niemand den Blick abwenden – aber man hört sie nicht. Leicht und fast schwerelos hüpfte die Sololinie etwa im Final-Satz. So duftig und transparent wie auch Werner Ehrhardt die Streicherbesetzung seines kleinen, feinen Ensembles arbeiten ließ. Ein ebenso respekt- wie freudvolles Zusammenspiel adelte das lyrische und innige Andante, das den Kontrabass wirklich singen ließ. In großen, weiten Bögen formte Rász die weiche Melodie und schmiegte sie in den seidenweichen Gesamtklang. Und der Abend brachte eine weitere Grunderkenntnis.

Anders als seine höher gestimmten Kollegen – abgesehen von absolut erstaunlichen Ausflügen in ungeahnte Toplagen des Basses – drängt sich der Riese weniger in den Vordergrund. Mit seinem warmen und zurückhaltenderen Sound fügt er sich stärker in das Orchester ein und ist doch zugleich als führende Stimme präsent. Die anspruchsvollen Bravour-Variationen für die G-Saite über ein Thema aus der Rossini-Oper „Moses in Ägypten“ hat der „Teufelsgeiger“ Niccolò Paganini natürlich für sein Instrument geschrieben.

Mit einer entsprechenden Bearbeitung für Kontrabass und Orchester räumte Ödön Ràsz nach der Pause endgültig mit dem Vorurteil auf, das seinem Instrument anhaftet. Und wieder beeindruckten beide Seiten: Der wundervolle Gesang der Saiten bei der Vorstellung des Themas und die zunehmend virtuose Steigerung bis zum wahnwitzigen Schluss.