Nur ein Hauch von Politik und köstliche Kamelleberge beim Wiesdorfer Umzug

D’r Zoch in Wiesdorf : Nur ein Hauch von Politik und köstliche Kamelleberge

D’r Wiesdorfer Zoch kütt – mit nur zwei Anspielungen auf aktuelle lokale Ereignisse.

Als familienfreundlich, wenig politisch und großzügig erwies sich der Wiesdorfer Karnevalszug, der sich am Sonntagnachmittag, unter dem diesjährigen Motto „Leverkusen Olé“ den Weg durch die Straßen der Innenstadt bahnte. Die zigtausenden Jecken, die freudig Spalier standen, hatten Glück: Es blieb während des gesamten Zuges trocken.

Lange bevor der Zug sich überhaupt in Bewegung setzte, war die Straßenparty mitten auf der Strecke in vollen Gange: Auf der Hauptstraße beispielsweise hatten sich schon zahlreiche Besucher in bunten Kostümen eingefunden. Aus mobilen Lautsprechern, gut geschützt in rollenden Bollerwagen, dröhnten Karnevalslieder und Schlagerhits, die alle im Nähren Umfeld heiter mitsangen. Kommentatoren am Wegesrand richteten sich auf ihren Aussichsposten, etwa an der Hauptstraße, ein. Während sich also die gut 2000 Aktiven der Karnevalsgesellschaften und Vereine, in ausgefallenen Wagen und  als Fußtruppen, samt  Tanz- oder Musikkorps am Kreisel zwischen Pesch- und Friedrich-Ebert-Straße postierten, suchten sich zahlreiche Besucher noch ein Plätzchen auf der Strecke zwischen Lich-, Dönhoff-, Haupt- und Wöhlerstraße.

Kurz nach halb zwei setzte sich der Konvoi schließlich in Bewegung, gemächlich angeführt durch zwei Fahrzeuge des Technischen Hilfswerks, die den Weg im Schritttempo freimachten. Und dann ging es auch schon los: Heiter wurde gerufen, gesungen, geworfen und gefangen, selten aber gebützt. „Kamelle“, „Strüßjer“ und „Alaaf“ waren die mit Abstand häufigsten Worte, die an diesem Nachmittag gen ein wolkenverhangenes Firmament, geschrien wurden. Kühl war es auf den Wiesdorfer Straßen, zuweilen auch windig aber glücklicherweise – und das war das Wichtigste – blieb es trocken.

So hatten die Kinder Spaß dabei, die vielen bunten Bonbons, Riegel und Überraschungspäckchen, die von den Wagen und Fußgruppen heiter und mit vollen Händen geworfen wurden, in der Luft zu fangen und schnell in ihre Beutel zu stopfen, ehe die nächsten wurffreudigen Narren vorfuhren. Überhaupt, schien das der Schwerpunkt des Wiesdorfer Zochs zu sein.

Die Mottowagen nämlich blieben überraschend unpolitisch – lediglich zwei Fußgruppen thematisierten zum einen, in Schutzanzügen gekleidet, den Eingriff in die Giftmülldeponie, während auf einem anderen die Aufschrift „Tunnel olé“ zu lesen war. Je nach Stadtteil brachten die örtlichen Vereine ihr eigenes Motto mit, wie etwa die Schlebuscher, die „jeck wie Hollywood“ ihren Wagen mit einem Oscar-Imitat schmückten. Die Karnevalsfreunde Manfort hingegen traten als gealterte, griechische Götter auf. Ihr Motto: Jecke Götterdämmerung op dem KM-Olymp.

Am Ende zählte, vor allem für Kinder, der Blick in randvoll gefüllte Kamelle-Tüten. Die Polizei meldete keine besonderen Vorkommnisse.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Knabllbunt und jeck – das war der Karnevalszug in Leverkusen-Wiesdorf 2019