Notfallambulanz in Leverkusen: Weitere Eltern schildern Probleme mit Versorgung

Leverkusen: Weitere Eltern klagen über Notfallversorgung in Klinikum

Eine Überlastung der Notfallambulanz am Leverkusener Klinikum und ihre Folgen führten zu viel Kritik. Jetzt melden sich weitere Eltern mit ihren Schilderungen. Lange Wartezeiten scheinen sich in letzter Zeit zu häufen.

Die gute Nachricht zuerst: In allen Fällen, die der Redaktion über die Versorgung von Kindern in der Notfallambulanz geschildert wurden, hat kein Kind schlimme gesundheitliche Schäden davongetragen. Doch zeigen die Erlebnisse, dass lange Wartezeiten in der Ambulanz und Verlegungen in andere Kliniken zuletzt kein Einzelfall waren.

Ende Januar hatte der Fall eines Babys für Aufsehen gesorgt, das nach der Einweisung in die Klinik am Abend erst spät in der Nacht in eine andere Stadt verlegt wurde. Zuvor hatten die Eltern stundenlang gewartet, obwohl ein Kinderarzt einen Einweisungsschein für die stationäre Behandlung ausgestellt hatte.

Auch andere Eltern beschweren sich nun, dass ihre Kinder vom Klinikum nicht aufgenommen wurden. Die Mutter einer einjährigen Tochter schreibt uns etwa, dass sie mit ihrem Kind gerne in der Klinik geblieben wäre. Doch das Mädchen wurde am 22. Januar nach Hause entlassen, obwohl die diensthabende Ärztin eine stationäre Aufnahme empfohlen hatte. Das Arztschreiben liegt der Redaktion vor. Laut der Mutter war das Kind vom Bett gefallen. Nach einer Untersuchung in der Notfallambulanz sei eine Einweisung für die Kinderabteilung ausgestellt worden.

Doch die Kinderabteilung war wohl über die Neuaufnahme nicht informiert, berichtet die Mutter. Erst dort soll die diensthabende Ärztin ihr gesagt haben, dass alle Betten auf der Station belegt seien. Die Mutter fühlte sich daraufhin von der Ärztin gedrängt, ein Formular zu unterschreiben, mit dem sie bestätige, dass sie die Klinik entgegen ärztlichen Rat mit ihrer Tochter verlasse.

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Einen schweren Verlauf soll die Atemwegserkrankung eines ebenfalls einjährigen Mädchens genommen haben. Das Kind sei von seiner Mutter am 16. Januar gegen 18 Uhr in der Kinderambulanz vorgestellt worden. Schon dort sei es mit Sauerstoff beatmet worden, berichtet die Mutter. Erst gegen 22 Uhr habe ein Arzt das Mädchen untersucht und empfohlen, das Kind stationär aufzunehmen, doch da im Klinikum auch an diesem Tag kein Bett mehr frei gewesen sein soll, sei ein Rettungstransport nach Köln-Porz organisiert worden.

Eine Woche später, so die Mutter, war der Zustand des Mädchens deutlich schlechter und für das Kind sei erneut ein Rettungswagen angefordert worden. Diesmal in umgekehrter Richtung von Porz nach Schlebusch. Nach einigen Tagen auf der Intensivstation des Klinikums sei das Kleinkind auf die Kinderstation verlegt worden. Schon einen Tag danach wurde es nach Angaben der Mutter nach Hause entlassen. Der Eindruck der Eltern: "Wir hörten schon die nächsten Patienten so gut wie auf dem Flur warten."

Die Ärzte des Klinikums sollen sich auch im dritten Fall, der der Redaktion im Detail geschildert wurde, sehr bemüht haben, ein freies Bett in einem umliegenden Krankenhaus zu finden. Doch das sei am 26. Januar nicht so einfach gewesen, wie die Mutter eines sechs Wochen alten Säuglings schildert. Für sie und das Kind sei ein Transport nach Düren organisiert worden.

Der Geschäftsführer des Klinikums, Hans-Peter Zimmermann, lehnte eine Stellungnahme zu den geschilderten Fällen ab. Zu dem Fall des Babys, das am 30. Januar spät in der Nacht nach Solingen gebracht wurde, hatte er gesagt: "Es ist bei uns nicht die Regel, dass stationär behandlungsbedürftige Kinder verlegt werden." Nur wenn die Kapazitäten restlos erschöpft seien, bahne das Klinikum Wege in andere Krankenhäuser.

(woa)