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Notfall-Anlaufstelle im Klinikum Leverkusen

Klinikum Leverkusen : Eine Notfall-Anlaufstelle für alles

Die Notfallambulanz des Klinikums und die Notdienstpraxis der kassenärztlichen Vereinigung (derzeit im MediLev) sollen eine gemeinsame Anmeldung und einen Standort bekommen. Klinikum will dieses Jahr Bauantrag einreichen.

Hans-Peter Zimmermann sagt es mit einem Augenzwinkern: „In Sachen Notfallversorgung haben wir schon lange die Nase vorn.“ Ein Fünkchen Wahrheit ist aber dran. Denn während nun Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Notfallversorgung reformieren will hin zu einem besseren Zusammenspiel von Notfallrettung, Krankenhaus-Notfallambulanz und Notfallpraxen, setzt das Klinikum seit mehr als einem Jahrzehnt schon auf zumindest räumliche Nähe. „2007 wurde das MediLev gegenüber des Klinikums eröffnet mit der Notdienstpraxis niedergelassener Ärzte; mit der Kassenärztlichen Vereinigung gibt es einen Kooperationsvertrag“, berichtet Klinikum-Geschäftsführer Zimmermann. „Das ist ideal: Die Notdienstpraxis im MediLev, dahinter dann die Zentralambulanz unseres Hauses.“

Die aber suchen auch oft Patienten auf, die eigentlich mit ihrem Anliegen in die Notdienstpraxis gehören. Über die Straße müssen sie in dem Fall aber nicht, sagt Klinikum-Sprecherin Sandra Samper. „Es wird niemand abgewiesen.“ Aber die Art der Erkrankung „kategorisiert“. Das Klinikum arbeitet für die Ersteinschätzung der Patienten in der Notfallambulanz mit dem Manchester-Triage-System. In Kurzform: Speziell geschulte Fachkräfte befragen die Patienten nach einem vorgegebenen Katalog, messen in angezeigten Fällen auch Blutdruck und Fieber, und weisen ihnen dann eine Farbe zu. „Rot bedeutet zum Beispiel, dass der Patient sofort behandelt werden muss, orange, dass er innerhalb von zehn Minuten einen Arzt sehen muss“, erläutert Samper. Über die Kategorien gelb (30 Minuten Wartezeit) und grün (90 Minuten) reicht die Triagierung bis zu blau mit einer Wartezeit bis zu 120 Minuten, „etwa wenn jemand über Bauchschmerzen klagt, ansonsten aber einen fitten Eindruck macht“, sagt die Sprecherin.

Die Triage-Fachkraft hat neben der Ersteinschätzung noch eine Aufgabe: Sie muss die wartenden Patienten im Beobachtungsraum im Auge behalten. Falls bei einem zum Beispiel grün eingestuften Notfall sich Anzeichen der Verschlechterung einstellen, muss umtriagiert werden, etwa zu gelb oder orange. „Mit dem System sind wir bisher sehr gut gefahren“, betont Samper. Auch, wenn der Zeitplan nicht immer ganz genau eingehalten werden könne.

Dass das Klinikum das System samt Beobachtungsraum 2019 so eingeführt hat, kommt nicht von ungefähr. Ende 2018 hat der Bundesgesundheitsausschuss (BGA) einen Gesetzesauftrag erfüllt, sagt Zimmermann, und die Krankenhäuser aufgefordert, „die Notfallversorgung neu zu strukturieren in einem gestuften System“, ergänzt der Manager. Patienten sollen wissen, was eine Notfallambulanz anbieten kann und was nicht. Dem Klinikum fehle etwa die Kompetenz für Augenheilhunde, die Patienten werden nach Merheim geschickt, „aber chirurgisch, internistisch, bei Geburtshilfe und Kinderversorgung sind wir gut“.

Auch vom BGA sei die Idee favorisiert worden, dass Klinikum und die Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zusammenkommen. „Seitdem gibt es Gespräche mit der KV zu einer gemeinsamen Anmeldung für die Notfallambulanz und die Notdienstpraxis.“ Mittlerweile sind die Pläne weit gediehen zu einem gemeinsamen Eingangsportal, quasi einem Tresen für beides. Und: Die Notdienstpraxis soll aus dem MediLev ins Klinikum umziehen. „Wir brauchen dafür dann die doppelten Räume. Die halten wir im Erdgeschoss schon vor“, berichtet Zimmermann. Er will 2020 den Bauantrag für die neue Organisationseinheit in diesem Jahr stellen, gerne Ende des Jahres mit den nötigen Umbauarbeiten beginnen und im ersten Halbjahr 2021 damit in Betrieb geben. „Dann gibt es eine Anlaufstelle – sowohl für die Notdienst- und die Kindernotdienstpraxis der KV als auch für die Notfall- und die Kindernotfallambulanz.“

Jens Spahn, sagt Zimmermann, will nun noch einen Schritt weitergehen, eben auch die Notfallrettung integrieren. Es sollen INZs entstehen, Integrierte Notfallzentren. „Das geht aber nicht an jedem Krankenhaus, sondern nur da, wo ein breites Spektrum an Fachgebieten angeboten wird“, sagt Zimmermann. Ob ein INZ in Leverkusen kommt, kann der Geschäftsführer noch nicht sagen. Fakt ist: „Zu einem großen prozentualen Teil stellen wir den ärztlichen Dienst dafür.“ Zimmermann betont aber auch: „Wir können uns keinen Konkurrenzkampf mehr erlauben. Die Kompetenzen müssen so gebündelt werden, dass alles dem Patienten zu Gute kommt.“