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Neues Stück „Falsche Schlange“ im Matchboxtheater in Leverkusen

Neuer Bühnenkrimi in Hitdorf : „Falsche Schlange“ im Matchboxtheater

Das kleine Hitdorfer Theater meldet sich mit einem Drei-Frauen-Triller aus der Corona-Pause zurück. Der ist absolut lohnenswert wegen der Meisterleistung beim Bühnenbild, aber vor allem wegen des beeindruckenden Spiels der Darsteller und ein Stücks mit spannenden Wendungen.

Dem Premierenpublikum im kleinen Matchboxtheater erschien das von Anfang an eine merkwürdige Erbschaft. Die elegante Erscheinung der soeben angereisten Annabel Chester passt so gar nicht zu dem deutlich in die Jahre gekommene Elternhaus im Hintergrund, das sie nun alleine besitzen soll, weil der Vater ihre jünger Schwester enterbte.

Doch während Annabel die Familie früh verlassen und ihr Glück in Tasmanien gesucht hat, blieb Miriam zu Hause, versorgte und pflegte den Vater bis zum Schluss. Rein optisch passt sie viel besser in dieses vernachlässigte Ambiente. War der Vater so ungerecht und undankbar? Oder hat er seine Jüngste durchschaut, wie die entlassene Pflegerin Alice Moody aufgrund eines angeblich echten Briefes des Verstorbenen behauptet? Die bezichtigt Miriam sogar der vorsätzlichen Tötung des Vaters und verlangt für ihr Schweigen 100.000 Pfund. Wer von ihnen ist nun die „Falsche Schlange“ in dem gleichnamigen Drei-Personen-Stück des populären englischen Autors Sir Alan Ayckbourn?

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Die Frage treibt die Zuschauer die ganzen zwei Vorstellungs-Stunden um. Und die Vermutung, dass sich die ganze Chose am Ende noch einmal total dreht, ist durchaus richtig. Mehr wird nicht verraten, denn der Besuch der neuen Ensemble-Produktion, die über die nächsten Monate im Programm bleibt, lohnt sich. Es ist die erste Regiearbeit von Sven Klatte, der aber eine lange Bühnenerfahrung im Matchboxtheater hat und auf die Assistenz von Lisa Graf zählen konnte.

Beim Lesen des Drehbuches könne man durchaus unterschiedliche Umsetzungen entwickeln, meint er. Etwa stärker den Humor zu betonen  – der hier gezielt und fein dosiert für Lacher sorgt  – oder auch eine ganz abgedrehte Variante. Er entschied sich mehr für eine lebensnahes, durchweg nachvollziehbares Spiel, das die Charaktere in den Vordergrund rückt. Die werden von erfahrenen Ensemble-Mitgliedern sehr klar und deutlich voneinander abgegrenzt gezeichnet. Wobei sich alle im zweiten Teil deutlich wandeln, wenn sie mehr und mehr die andere Seite ihrer Persönlichkeit zeigen.

Theater-Prinzipalin Martina Vikanis gibt der zurückgekehrten Annabel Chester die angemessene kühle Eleganz, hinter der sich aber ein Kindheitstrauma und ein ängstliches Wesen verbirgt. Beides macht sie durch ihr Spiel deutlich. Melanie Rehbein als Miriam erscheint dagegen zunächst wie das bedauernswerte Familien-Aschenputtel, dem ein eigenständiges Leben verwehrt wurde. Ist sie wirklich so schwach, fragt man sich nach der Pause wenn sie merklich aufblüht. Annika Siller (sie spielt die Vorstellungen im Wechsel mit Tina Wollenhaupt) sorgt als Erpresserin Alice Moody noch für Überraschungsmomente.

Bei dem Bühnenbild auf engstem Raum haben Christian Caspari und sein Team dieses Mal eine wahre Meisterleistung vollbracht. Alte englische Klinkerfassade und ein leicht baufälliger Schuppen, auf dessen schiefem Dach die Schindeln bereits ins Rutschen geraten sind. Sogar einen dramaturgisch erforderlichen Tennisplatz hat man im Matchboxtheater noch untergebracht  – zumindest angedeutet  –, ohne die Spielfläche zu sehr einzuschränken.