Neues Bon-Gesetz frustriert Leverkusener Händler und Gastronome

Neues Gesetz frustriert Leverkusener Handel : „Wir werfen täglich 1500 Bons weg“

Die Bonpflicht sorgt für Frust unter Leverkusener Einzelhändlern und Gastronomen. Die meisten Kunden nähmen den Kassenbon erst gar nicht mit. Das sei Papierverschwendung, moniert unter anderem Bäcker Stefan Willeke.

Seit Anfang des Jahres erhitzt die Bonpflicht für deutsche Einzelhändler, Gastronomen und andere Geschäftsleute die Gemüter. Auch in der Bäckerei Willeke herrscht Unmut über das 2016 beschlossene Gesetz. Stefan Willeke sieht vor allem die Papierverschwendung als Problem. „Nicht einmal ein Prozent der Kunden nimmt einen Bon mit.  Wir haben täglich über 1500 Kassenbons, die wir wegschmeißen müssen. In einer Woche sind es rund 10.000 – und das bei nur sechs Geschäften. Bei Bäckereien mit 50 Geschäften sprechen wir schon von ganz anderen Summen.“ Damit verbunden seien unnötige Kosten. Früher habe der Drucker fünf Mal am Tag drucken müssen – heute 300 Mal. Willeke wisse gar nicht, ob das Gerät das auf Dauer aushalten werde.

In vielen anderen Ländern, wie Österreich, Frankreich und Italien, besteht die Bonpflicht schon seit Längerem. Nun zog auch Deutschland nach. Die Einführung der Bonpflicht ist eine Maßnahme gegen den seit Jahren grassierenden Steuerbetrug am Ladentisch, begründet der Gesetzgeber.

Grundsätzlich seien Maßnahmen zur Transparenz im Kampf gegen Steuerhinterziehung zu begrüßen, findet eine Verkäuferin bei „Wolsdorff Tobacco“ in der Fußgängerzone in Opladen.  Dennoch ist sie sich sicher, dass Leute, die vorher Steuern hinterzogen haben, andere Wege finden werden, um dies Gebaren weiterhin an den Tag zu legen. Auch wenn es nun schwieriger geworden sei. Die Umsetzung der Bonpflicht in die Praxis lässt ihrer Meinung nach zu wünschen übrig. Und die Kunden seien nur selten an den Kassenbons interessiert. „Wir fragen unsere Kunden immer, die wollen jedoch fast nie einen Bon haben. Höchstens, wenn eine Garantie dabei ist. Das ist reinste Papierverschwendung.“ Auch den vielen Stammkunden im Geschäft gehe die Bonpflicht auf die Nerven, sagt die Verkäuferin. Außerdem seien die Thermopapierrollen umweltschädlich.

Im Eiscafé „Minini“ hat sich zum Neujahrswechsel nicht viel geändert. Inhaber Benjamin Redzepi hält sich schon seit 2015 an die Regularien der Bonpflicht. Ihn stört vor allem, dass das Thermopapier nicht im Papiermüll entsorgt werden kann. Im Eiscafé wird der Kassenzettel immer zum Tisch gebracht. Aber dort ließen ihn die meisten Gäste liegen.

Aber wie läuft es ab, wenn eine Kugel Eis zum Mitnehmen bestellt wird? „Wir geben auch da immer einen Bon mit. Der wird dann entweder liegen gelassen oder draußen weggeschmissen. Selbst im Hochsommer sind es nur drei bis vier Kunden am Tag, die ihren Bon wirklich mitnehmen“, erzählt Redzepi. Gerade die Kosten stören ihn, weil auch die elektrischen Kassen sehr teuer gewesen seien. Er sehne sich nach der Zeit zurück, in denen den Kunden der Bon elektronisch gezeigt wurde.

Auch Willeke wünscht sich, dass die Bonpflicht wieder abgeschafft wird: „Ich hoffe nicht, dass dieses Gesetz Bestand hat, ich befürchte es aber.“ Der Leverkusener CDU-Landtagsabgeordnete Rüdiger Scholz appelliert deultich, die aktuelle Regelung solle vor dem Hintergrund digitaler Kassen und der Umweltdebatte dringend hinterfragt werden. Darüber würden sich auch die Einzelhändler und Gastronomen freuen.