Neuer Turbo-Löscher im Leverkusener Chempark vorgestellt

Premiere im Chempark : Turbo-Löscher gegen Chemiebrände

Weltpremiere im Chempark: Neuer Turbinen-Löschwagen fängt das Feuer in einem dichten Netz aus Nebel.

Die Geräuschkulisse ähnelt der einer Startbahn für Ferienjets. Langsam, aber stetig kommt die Turbine in Fahrt. Der feuerrote Kasten auf dem Dach des Löschfahrzeugs spuckt kleine Feuerzungen. Ohrenbetäubender Lärm hebt an, und schon schießt eine nebelartige Fontäne über die Grünfläche mitten im Chempark und legt einen etwa 80 Meter langen dichten, feuchten Mantel aus Löschwasser über die Wiese.

Das Getöse erinnert nicht von ungefähr an einen Flughafen, es stammt aus einer Turbine wie sie auch in Flugzeugen verbaut wird. Doch auf dem Löschwagen montiert, dient sie der Fortbewegung nur insofern, als sie dem Wasser Beine macht – und wie: 4000 Liter schießen pro Minute allein aus der Turbo-Löschkanone. Hinzu kommen 6000 weitere Liter/Minute aus einem zweiten Rohr, das ebenfalls auf dem Dach montiert den Turbinenstrahl unterstützen soll.

So erlebten die Gäste am Donnerstag im Chempark eine Weltpremiere, denn ein solches Löschfahrzeug gibt es in dieser speziellen Ausführung nur in Leverkusen. Die Maßanfertigung für die besonderen Bedürfnisse des Chemparks hat sich der Betreiber Currenta was kosten lassen: 1,6 Millionen Euro kostet das eindrucksvolle Gefährt insgesamt. Chempark-Leiter Lars Friedrich formulierte die Beweggründe für die Anschaffung so:  „Die Sicherheit der Menschen im und um den Chempark steht für uns an erster Stelle, und wir haben eine Möglichkeit entdeckt, das Sicherheitsniveau weiter zu erhöhen.“

Was das neue Turbinenlöschfahrzeug (TULF) von herkömmlichen unterscheidet, erklärten Chempark-Werkfeuerwehrchef Stephan Hummel und Standort-Wehrleiter Christoph Wachholz mit Hilfe eines Films und einer anschließenden Demonstration.

Anders als herkömmliche Löschrohre produziert die Turbine einen feinen Wassernebel. Mit Hilfe der Aerosoltechnik entstehen feinste Wassertropfen. Diese nehmen wie ein Fangnetz den Rauch aus der Luft und geben so den Einsatzkräften freie Sicht. Zudem bindet der Nebel beim Brand entstehende Schadstoffe und hindert sie so an der  Ausdehnung. Auch brennende Behälter können besser gekühlt werden.  Der immense Wasserausstoß von 4000 Litern/pro Minute allein aus der Turbine (das entspricht einer Wassermenge von 25 gefüllten Badewannen) entwickelt eine besonders hohe Intensität bei der Brandbekämpfung. Der TULF ist innerhalb von 90 Sekunden einsatzbereit und bringt eigene Wasserreserven mit in den Einsatz. Eine Feuerwehrkreiselpumpe lässt das Fahrzeug autark arbeiten. 6000 Liter Kraftstoff in einer mobil mitgeführten  „Tankstelle“ ermöglicht einen ausreichend langen Betrieb der Turbine.

Michel Kooij (Liberty Gasturbine) mit Sven Marberger und Stephan Hummel von der Werkfeuerwehr und Chemparkchef Lars Friedrich. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Leverkusens Stadt-Feuerwehrchef Hermann Greven hörte gerne, dass der neue Turbo-Löscher bei Bedarf auch bei Bränden außerhalb des Chemparks zur Verfügung steht. Die Belästigung der Nachbarschaft des Chemparks durch Turbinengetöse hält sich übrigens in engen Grenzen: Nur zwei Mal im Monat sind laut Currenta Trainingsstunden angesetzt.      

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