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Neuer Bebauungsplan in Leverkusen-Opladen sorgt für Aufregung

Neuer Bebauungsplan in Leverkusen-Opladen sorgt für Aufregung : Soll Gründerzeit-Villa Neubau weichen?

Die Stadt will einen neuen Bebauungsplan fürs Areal zwischen Schiller-, Kölner und Humboldstraße auflegen. Bei Facebook brodelt es deswegen. Nutzer fürchten, weil der GBO dort bauen will, könnte damit der Abriss von einem Doppelhaus aus der Gründerzeit verbunden sein. Der Bauverein winkt ab.

Schillerstraße: Kennen die meisten nur als frühere TV-Comedy-Sendung. Seit dem Wochenende ist die Schillerstraße in Opladen (zweigt von der  Kölner Straße nahe Aloysiuskapelle ab) in Leverkusener Facebook-Foren ein Aufregerthema. Denn an der Straße steht ein Gründerzeit-Doppelbau, bisher eher öffentlich unauffällig. Nun steht das Hinterland zwischen Kölner Straße und Im Hederichsfeld/Humboldtstraße, das auch die Schillerstraße streift, in einem städtischen Beratungspapier. Es geht um die Erstellung eines neuen Bebauungsplans für das sieben Hektar große Areal.

Anlass ist die Anfrage, an der Humboldtstraße  ein Wettbüro einzurichten. Der aktuelle Bebauungsplan trifft dazu keine genaue Regelung.  Die will die Stadt aber haben, dergestalt, dass dort keine Vergnügungsstätten  erlaubt sind. „Durch ein Wettbüro in diesem rückwärtigen Bereich abseits der Fußgängerzone besteht die Gefahr einer Vorbildfunktion und weiteren Häufung von Vergnügungsstätten in dem bereits vorbelasteten Innenstadtbereich. Ein Übergreifen auf benachbarte Stadtviertel kann nicht ausgeschlossen werden“, schreibt die Stadt. Das aber regt die Facebook-Nutzer nicht auf. Vielmehr geht es um den Gemeinnützigen Bauverein Opladen (GBO).

Die Stadt schreibt zu den Gründen eines neuen Bebauungsplans: „Das Wohnen soll durch besser geeignete Baugebiete in den umliegenden Wohnquartieren gestärkt bzw. ausgeweitet werden.“ Und: Der GBO plane im Kreuzungsbereich Schillerstraße/Ecke Im Hederichsfeld ein neues Wohnprojekt. „Ein fünfgeschossiges Wohngebäude soll den Blockrand schließen und ein weiteres kleineres Wohngebäude im Blockinneren das Areal ergänzen. Die Wohngebäude sollen insgesamt bis zu 70 Wohneinheiten mit Wohnungsgrößen von 40 bis 120 Quadratmeter und eine Tiefgarage umfassen.“

Mitglieder der Facebook-Gruppe „Opladener und stolz drauf“ fürchten nun: Der GBO betoniert das Areal zu, reißt dazu auch die Villa ab. „Das nennt sich dann Lückenschluss. Historische Gebäude weg, Grünfläche weg. Die zweigeschossigen Gebäude gegenüber im Hederichfeld sehen dann kein Tageslicht mehr“, schreibt ein Nutzer. Andere dies: „Oh nein, bitte nicht, das wäre ein Frevel an Opladen.“ Auch CDU, Opladen Plus, Linke äußern sich kritisch zur Bebauung, haken im Bauausschuss am Montag genau nach. Und der GBO? Kann den Aufruhr in den Sozialen Medien erstmal nicht  nachvollziehen.

„Fakt ist: Noch ist nichts passiert, und es wird erstmal auch nichts passieren“, sagt Alexander Dederichs vom Vorstand. Der GBO habe beim Kauf der Grundstücke an der Kölner Straße die Hinterlandgrundstücke bis rauf zum Hederichsfeld mitgekauft, wolle diese auch bebauen.  „Uns gehört auch eine Hälfte der alten Gründerzeit-Villa. Auch in dem Bereich wollen wir baulich etwas tun“, ergänzt er und schiebt ein großes Aber hinterher: Was mit der einen Hälfte der Gründerzeit-Villa werden könnte, „dazu haben wir uns noch gar keine Gedanken gemacht, weil der Bebauungsplan als Entscheidungsgrundlage noch gar nicht da ist“. Natürlich würde der Erhalt der Villa die Wohnbebauung wegen einzuhaltenden Abstands erschweren, und eine Option wäre der Abriss, sagt Dederichs. Ob  der GBO die Option aber ziehe, sei völlig offen.

Die Stadt packe den Bebauungsplan ohnehin  wegen der Vergnügungsstätten an, „dass sie ihn dabei städtebaulich sinnvoll auslegt, also künftige Wohnbebauung berücksichtigt, ist klar“, merkt er an. „Das heißt aber nicht, dass dann auch alles so bebaut wird.“ Der GBO habe in einer Studie, um einen B-Plan bespielen zu können, eine mögliche Bebauung planen lassen. Eben jene 70 Wohnungen wären möglich. „Damit wir konkret planen können, müssen wir das Bebauungsplanverfahren abwarten. Das dauert zwei bis drei Jahre“, ergänzt Dederich.