Neue Schau in Morsbroich erzählt von der Liebe des Menschen zu Dingen

Ausstellung in Morsbroich : Von der Liebe des Menschen zu tausenden Dingen

An der extrem abwechslungsreichen wie ungewöhnlichen Schau „Liebes Ding“ in Morsbroich beteiligen sich 22 Künstler.

Was haben ein Karnevalsorden, eine Louis-Vuitton-Tasche und ein Smartphone gemeinsam? Sie liegen in einem Regal des Museums, das Besucher füllen sollen mit weiteren Objekten der Begierde. Jenen Gegenständen, mit denen wir Menschen uns gerne umgeben, inszenieren, schmücken und die wir nicht missen mögen. „Liebes Ding“ - der Titel der Ausstellung mit „Object Love“, die am Sonntag im Museum Morsbroich eröffnet wird, ist bewusst als Anrede formuliert, weil es den beteiligten 22 Künstlern um das persönliche Verhältnis zu Gegenständen ging. Jeder besitzt heute im Durchschnitt 10.000 Dinge, heißt es. Ermöglicht durch die Entwicklung neuer Technologien und dem  Aufstieg der Konsumgesellschaft mit gut funktionierender Werbung. Die allerdings ins Leere liefe, wäre da nicht dieses tief verwurzelte menschliche Streben nach den Dingen. 

Fragen, die 22 Positionen aufwerfen, gehen also jeden einzelnen an. Deswegen ist der Rundgang durch zwei Etagen auch so spannend. Die kurz skizzierten Gedanken der Künstler regen unmittelbar zum Nachdenken, zur eigenen Auseinandersetzung an. Sowieso wenn es um „des Deutschen liebes Kind“, das Auto, geht, wie bei Olaf Moij. Er breitete die leere Außenhülle eines Kleinwagens auf dem Parkett aus wie eine zu klein gewordene, abgeworfene Schlangenhaut. Oder legte erfundene Zwischenschritte der Auto-Entwicklung wie medizinische Präparate in Gläser ein. Da ist einerseits die ästhetische Fotografie von Andreas Gursky, der Prada-Schuhe wie auf einem Altar aufgereiht präsentiert. Und am anderen Ende der unansehnliche Klumpen aus verschmolzenen Plastikteilen mit dem Maarten Vanden Eynde auf die Folgen der Wegwerfgesellschaft hinweist. Erst 1909 kam Plastik auf den Markt und ist heute allgegenwärtig auf der Erde und im Wasser sowieso.

Aber die Besucher dürfen auch schmunzeln. Wenn schmückende Ringe oder ein Revolver von Ted Noten in transparente Handtaschen aus Kunstharz gegossen und damit unbenutzbar gemacht wurden. Oder wenn die angesammelten Teller und Tassen ihr Eigenleben beginnen und im Schrank tanzen wie im Video von Min Oh. Oder wenn ein Modellbau-Liebhaber wie Machiel Braaksma Haushalts-Gegenstände zu Loks mit Anhänger verbaut und auf Zollstock-Schienen setzt. Wie bei einer archäologischen Fundstätte schickt Karsten Bott die Besucher auf eigens gebauten Stegen durch den 45-Quadratmeter-Raum, dessen Boden er lückenlos mit Artefakten bestückte, die er von je her sammelt. Trotz der erschlagenden Masse hat er den Titel „Von jedem eins“ sicher noch lange nicht erfüllt.

Installationen und Videoarbeiten überwiegen in dieser Schau, die auf das Konzept der holländischen Kuratorin Anne Berk zurückgeht und von Fritz Emslander mit finanzieller Unterstützung der Sparda-Bank-Stiftung und der Niederlande für Morsbroich kuratiert wurde. Der umfangreiche Katalog (22 Euro) enthält Texte zu allen beteiligten Künstlern.

„Liebes Ding  – Object Love“ wird am Sonntag, 26. Januar, um 12 Uhr im Museum Morsbroich, Gustav-Heinemann-Str. 80, eröffnet und läuft bis 26. April. Geöffnet: Di-So 11-17 Uhr, öffentliche Führungen So 15 Uhr. Am 1. März ist Sparda-Tag bei freiem Eintritt, Führungen und Aktionen. Besucher sind eingeladen, ihr Lieblingsding mitzubringen, kurz dessen Geschichte aufzuschreiben und der Schau hinzuzufügen.