Leverkusen: Näschen für Nachfolger

Leverkusen: Näschen für Nachfolger

Wolter Classen hat ein ungewöhnliches Berufsfeld: Er vermittelt Führungskräfte für mittelständische Betriebe, die sich gleich mit Eigenkapital in die Firma einkaufen.

Weihnachten kam für Dirk Emmerich früh, dafür aber gleich mehrfach. "Jedes Mal, wenn ich einen Umschlag mit einem neuen Angebot aufgemacht habe, habe ich mich ein bisschen wie beim Geschenke-Auspacken gefühlt", erinnert sich der Unternehmer. Zur Auswahl standen damals gleich mehrere Angebote – darunter eines von einer bayrischen Firma sowie einer aus Norddeutschland.

Am Ende wurde es Leverkusen, und diesen Entschluss hat Emmerich nie bereut. Der Wirtschaftsingenieur ist seit 2010 geschäftsführender Gesellschafter der Logistikfirma Kruse im Chempark. Doch den Weg dahin ebnete ihm keine normale Bewerbung, sondern ein so genanntes "Management Buy In" (MBI). Nach dem Motto: Mittelständischer Firmenchef sucht Partner oder Nachfolger, Interessent kauft sich ein, und beide profitieren – zumindest im Idealfall.

Großer Bedarf bundesweit

Dass dieser auch wirklich eintritt, darum bemüht sich Wolter Classen mit seiner Firma "pro Nachfolge". Der Essener ist kein Headhunter, der Manager sucht, er streicht auch keine Erfolgsprämie ein. "Führungskräfte, die eine neue Herausforderung annehmen wollen, können sicher sein, dass ich sorgfältig nach dem idealen Unternehmen für sie suche", sagt der Essener. Dazu gehörten persönliche Treffen mit den Firmenchefs – wie bei einer Eheanbahnung. Erst wenn klar sei, dass die Chemie stimme, komme das Geschäft zustande.

Ein Tätigkeitsfeld, das immer wichtiger wird: Allein 22 000 Unternehmer mit Betrieben von mehr als einer Million Euro Umsatz suchen jährlich einen Nachfolger. Tausende von unternehmerisch denkenden Führungskräften warten auf die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten und Ideen als aktiver Teilhaber in ein solches Unternehmen einzubringen. Weil es für solche "Management Buy Ins" keinen transparenten Markt gibt, ist das Ergebnis der Nachfolgersuche häufig wie bei den Königskindern, die nicht zusammenkommen – wenn sie nicht auf entsprechend qualifizierte Berater wie Classen stoßen.

Dirk Emmerich etwa war von Beginn an klar, dass er seine Vorstellungen und seinen unternehmerischen Elan nur dann voll ausspielen können würde, wenn ihn keine starren Strukturen ausbremsen. Classen suchte und fand mit Kruse Logistics den idealen Partner. Dort sitzt der "Chef" jetzt in einem großen gemeinsamen Büro mit seinen Angestellten, hat trotz des Krisenjahrs mit der drohenden DyStar-Insolvenz das Schiff in die Erfolgsspur gebracht – und sagt: "Ohne die gute Vermittlung hätte ich diese Chance wohl nie bekommen." Manchmal gibt es auch für Königskinder ein Happy End.

(RP)
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