Leverkusen Närrisch hochkarätige Sitzung des KOK

Leverkusen · Seit 35 Jahren watscht Toni Blankerts als "Nachtwächter" in scharf gewürzten Büttenreden die Politiker und sonstigen (Macht-)Menschen ab. Gestern auf der unterhaltsamen KOK-Sitzung war es wieder soweit. Applaus für KOK und Künstler.

 Verdötschter Auftritt von KOK-Senatspräsident Toni Blankerts (l.), Prinzenpaar Christa und Peter Linnartz (Mitte), KOK-Präsident Uwe Krautmacher (r.) und den Komiteemitgliedern – eine "Big Band", die das Publikum aufstehen ließ.

Verdötschter Auftritt von KOK-Senatspräsident Toni Blankerts (l.), Prinzenpaar Christa und Peter Linnartz (Mitte), KOK-Präsident Uwe Krautmacher (r.) und den Komiteemitgliedern – eine "Big Band", die das Publikum aufstehen ließ.

Foto: Miserius

Wicky Junggeburth hatte die rund 200 Gäste nach ein paar Sätzen im Griff. Der Kölner Ex-Prinz und Mann der leiseren Töne platzierte gestern nur einige feine Witze aus Vorträgen urkölscher Büttenredner, schon lachte die KOK-Festmenge im Scala — der FLK-Präsident Uwe Krause ebenso wie EU-Abgeordneter Herbert Reul, Leverkusens letzter Polizeipräsident Dieter Erhorn, Bezirksbürgermeister Rainer Schiefer oder Ursel Petry, Frau des verstorbenen KOK-Ehrenpräsidenten. Das KOK lieferte einen unterhaltsamen Abend ab.

Scharfzüngig spießte "Nachtwächter" Toni Blankerts Missstände auf. "Das gute und schlechte Gewissen von Opladen und Leverkusen", sagte KOK-Präsident Uwe Krautmacher. Blankerts plauderte als Vertreter der UONP, der "unglaubwürdigen Opladener Nachtwächterpartei": "Auch wir wissen nicht, wo es lang geht, aber wir beeilen uns, um als Erste da zu sein, weil jeder Opladener selbst noch im Schlaf besser als ein Leverkusener ist." Köln-Düsseldorf lässt grüßen.

Eine humorvolle, gekonnt gehaltene Politikrede schickte der Schlebuscher Jens Singer als "Dä Schofför" durch das Scala. Köln, Berlin, Angela Merkel, Helmut Schmidt, nix blieb unkommentiert. Das war nah an der Tradition der Kölner Büttenredner. Das Publikum applaudierte stehend. Ein Kalauer von Singer muss sein: "Nur in Köln gehen Rheinbrücken über die Wupper." Rednerfreund Blankerts hatte vorher über die "A1-Seufzerbrücke" gelästert.

Tierisch startete der Nachtwächter: "Besonders in der Abendzeit ... begleitet Dich, wohin Du gehst, der Hundescheiß", polterte er. Wenn nicht bald etwas passiere, "wird unsere Stadt zugeschissen".

Lieblos fand der Nachtwächter den Opladener Weihnachtsmarkt. Ein lieblos geschmückter Tannenbaum am Eingang der Fußgängerzone, nicht eine Bude mit zur Jahreszeit passendem Weihnachtsschmuck, aber dafür "vorm Woolworth 'ne Bude mit Apothekenbedarf" — der Nachtwächter mäkelte rum, was die Zunge hergab. Das wird speziell Apothekenbetreiber Uwe Beenen missfallen, wo er sich doch für den Weihnachtsmarkt so stark macht.

Hirnlos findet der Nachtwächter manche Projektplanung der Deutschen Bahn. In Opladen machten sie die gut ausgerüsteten und mit Spezialisten bestückten Werkstätten nach 100 Jahren zu, um jetzt mit hohem Millionenaufwand ein neues Bahnausbesserungswerk für ICE-Züge in Köln zu bauen. "Drum ruf' ich Euch zu, benutzt Euer Hirn, der Nachtwächter grüßt, mit Himmel, Arsch und Zwirn."

Toleranzlos gegenüber Opladen seien die Leverkusener Stadträte. Die gesetzlich zulässige Wiedereinführung des "OP"-Kennzeichens hätten die Politiker doch genehmigen können — statt mit Arroganz den Antrag wegzustreichen. Aber so sei das in Leverkusen: "nix für Opladen, alles nur für die neue (Stadt-)Mitte".

Ausgefeilte und sehenswerte Choreographie zeigte das Tanzkorps der KG Dürscheder Mellsäck. Da stoppte nur die zu tief über der Bühne hängende Scheinwerferbatterie die Tanzenergie. Der Spassbringer des Abends: die "Große Nummer" des Komitees Opladener Karneval (KOK) als "Big-Band mit Prinzenpaar Peter und Christa Linnartz", auch eine vergnügliche Persiflage des Schützenwesens.

Eindrucksvoll war der Einmarsch des Komitees und des Traditionskorps der KG Altstadtfunken in den Scala-Festsaal, der passende Rahmen für Senatspräsidenten Toni Blankerts und Präsidenten Uwe Krautmacher. Aus Anlass des 111. Altstadtfunken-Geburtstages erklärte Junggeburth die Altstädter zur "Leverkusener Ehrengarde".

(RP)
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