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Leverkusen: Nach Köln: Vier Städte bilden Netzwerk für Archiv-Notfälle

Leverkusen : Nach Köln: Vier Städte bilden Netzwerk für Archiv-Notfälle

Die Gummistiefel Größe 42 im Keller des städtischen Gebäudes an der Miselohestraße blitzen schön gelb und neu. Und wenn es nach Gabriele John, Leiterin des Stadtarchivs Leverkusen, geht, können sie das bis in alle Ewigkeit tun. Denn das heißt: Die Stiefel werden nicht gebraucht, ein größerer Wasserschaden in den Magazinen des städtischen Archivs ist nicht eingetreten – und auch nicht in den Stadtarchiven von Monheim, Langenfeld und Leichlingen.

Mit den drei Städten hat Leverkusen gestern den Notfallverbund für Archive gegründet, den ersten seiner Art im Rheinland – ein Projekt interkommunaler Zusammenarbeit, das die Vorreiterrolle innehat. Dabei unterstützt wurden die Städte vom Archivberatungs- und Fortbildungszentrum im Landschaftsverband Rheinland (LVR).

Weil die Archivare der vier Städte nun ganz offiziell miteinander vernetzt sind, könnten die Gummistiefel im Ernstfall eben auch in den Nachbarstädten zum Einsatz kommen. Sie gehören zu einer Notfallbox, die der LVR im vergangenen Jahr an Leverkusen ausgegeben hat. Darin sind neben den Stiefeln unter anderem auch Helme, wasserfeste Blöckchen und Schreibutensilien. "Zwei komplette persönliche Schutzausrüstungen und andere nützliche Dinge, ein Erste-Hilfe-Kasten bei Archiv-Zwischenfällen" zählt Dr. Michael Habersack vom LVR auf. Mit den Boxen – der Inhalt ist rund 1000 Euro wert – will der LVR bis zum Jahresende im Rheinland jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt versorgt haben.

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Habersack nennt "vorbereitet sein" als Stichwort. Wäre das Stadtarchiv Düsseldorf besser vorbereitet gewesen, hätte womöglich besser auf die plötzlich auslösende Sprinkleranlage reagiert werden können, ergänzt er. Albertina in Wien, Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, Einsturz des Kölner Stadtarchivs nennt er als weitere Beispiele, betont aber zugleich: "Es müssen nicht die ganz großen Katastrophen sein, auch kleine Zwischenfälle wie Starkregen, geplatzte Rohre durch Frost oder ein vergessener Wasseraufbereiter übers Wochenende reichen, um meterweise Archivalien zu durchfeuchten." Das wiederum bereite den Nährboden für Schimmel. "Dann müssen Restauratoren ran. Die Restauration eines Leitzordners voller Unterlagen kann leicht 1000 Euro oder mehr kosten", merkt Habersack an.

Michael Hohmeier, Stadtarchivar in Monheim, bestätigt: Das Damoklesschwert eines jeden Archivars heiße Wasserschaden. "Das schwebt permanent über uns." Deswegen sei er als Ein-Mann-Betrieb sehr froh über den neuen Verbund, "damit man sich fachkundigen Rat einholen kann".

Und während gestern die Vertreter der Städte, Kulturdezernent Marc Adomat, Leichlingens Bürgermeister Ernst Müller, Langenfelds Stadtchef Frank Schneider und Martin Frömmer, Leiter des Bereichs Zentraler Service der Stadt Monheim, die Gründungsurkunde unterzeichnen und scherzen, "die wird sicher im Archiv aufgehoben", denken die Archivare praktisch.

Sie sind sich rasch darüber einig, dass man Telefonnummern austauschen, Notfallpläne abgleichen, Wochenenderreichbarkeiten regeln, sich vielleicht auch zu Notfallübungen treffen will. Um im Ernstfall rasch, gezielt und möglichst chaosfrei das in den vier Stadtarchiven retten zu können, was "das Gedächtnis der Städte" (Schneider) ausmacht.

(RP)