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Nach Explosion in Leverkusen: Interview mit Facharzt für Pneumologie

Facharzt nach Leverkusener Rauchwolke : „Die Lunge heilt sich sehr gut selber“

Philipp Roehr ist Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie am Klinikum Leverkusen. Nach der Rauchwolke ist sein Rat besonders häufig gefragt. Er spricht über unsichtbare Schadstoffe in der Luft und die Reinigungs- und Heilkraft der Lunge.

Herr Roehr, bei Ihnen rufen derzeit viele  Bürger an, die sich Sorgen machen, durch die Rauchwolke schädliche Stoffe eingeatmet zu haben. Was sagen Sie denen?

Philipp Roehr Nach den mir vorliegenden Informationen der Pressekonferenz des Umweltamtes kann hier erfreulicherweise Entwarnung gegeben werden. In den Messungen sind keine höhergradig giftigen oder gefährlichen Stoffe gefunden worden. Die verständlichen Ängste können demnach gelindert und die Bürger beruhigt werden.

 Philipp Roehr ist Oberarzt an der Medizinische Klinik 4 im Klinikum Leverkusen.
Philipp Roehr ist Oberarzt an der Medizinische Klinik 4 im Klinikum Leverkusen. Foto: Klinikum Leverkusen

Kann man eigentlich selbst bemerken, dass man etwas eingeatmet haben könnte? Reagiert der Körper in irgendeiner Weise oder muss nun jeder, in dessen Umfeld Rußpartikel liegen oder lagen, zum Lungenfacharzt?

Roehr Man merkt nicht unbedingt ob man Rußpartikel eingeatmet hat.  Im Gegenteil spürt man eher selten überhaupt etwas. Viele Stoffe reizen die Atemwege oder die Lunge gar nicht – oder die Dosis ist so niedrig, dass der Körper es gar nicht „bemerkt“. Ein Arztkontakt ist aber nur nötig, wenn jemand über längere Zeit starken Husten oder Schmerzen beim Luftholen hat beziehungsweise Schwierigkeiten beim Atmen bemerkt.

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Apropos Lungenfacharzt: Wie gehen Sie bei solch einem Verdacht vor? Welche Untersuchungsmethoden gibt es? Und welche Therapie- und Heilungsmöglichkeiten in solche Fällen?

Roehr Der Arzt hört sich die Beschwerden an, dann wird eine Untersuchung der Lunge durchgeführt – insbesondere wird sie abgehört –, und es gibt eine Inspektion des Mundes und Rachens. Das ist in der Regel ausreichend. Weitere Untersuchungen wie Sauerstoffmessung im Blut oder ein Röntgenbild sind nur bei schweren Symptomen nötig. Spezielle Therapien gibt es leider nicht. Zur Symptomlinderung kann gegebenenfalls etwas gegen Husten oder ein mildes Spray verordnet werden. Glücklicherweise heilt die Lunge sich sehr gut selber.

Gesetzt den Fall, es wird festgestellt, schädliche  Stoffe sind in die Lunge gelangt: Besteht die Chance, dass der Körper diese mit der Zeit von alleine wieder abbaut oder bleiben die Schadstoffe einfach erhalten, lagern sich ab, verkapseln womöglich? Was passiert dann?

Roehr Die Atemwege und die Lunge sind von Natur aus offene, mit der Umwelt kommunizierende Systeme. De facto atmen wir ständig Schadstoffe ein, zum Beispiel Abgase aller Art. Das lässt sich gar nicht verhindern. Die Lunge ist exzellent darauf vorbereitet sich selber von diesen täglichen „Vergiftungen“ zu reinigen. Die meisten Stoffe werden wieder ausgehustet, manche werden tatsächlich auch in den Bronchien oder der Lunge abgekapselt aufbewahrt.

Laut Landesumweltamt konnten weder Dioxin noch dioxinähnliche Stoffe in den niedergegangenen Rußpartikeln nachgewiesen werden. Warum haben alle so viel Angst vor Dioxin?

Roehr Dioxine sind eine große Gruppe von Stoffen, von denen einige sehr giftig sind. Sie können, je nach Dosis, Schädigungen an vielen Organen des Körpers auslösen. Dies kann über lange Zeit passieren, weil sie sich im Fettgewebe ablagern und dadurch Monate bis Jahre im Körper bleiben können. Manche Dioxine sind auch krebsauslösend.

Haben Sie eine Tipp, wie jeder die eigene Lunge ein bisschen pflegen kann?

Roehr Trainieren Sie sie durch regelmäßige sportliche Aktivität. Nicht Rauchen!