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Nach Explosion in Leverkusen: Bürger fordern modernes Müllkraftwerk

Nach Explosion in Leverkusen : Bürger fordern modernes Müllkraftwerk

Die Behörden sollen den Wiederaufbau bei Currenta genau prüfen, hieß es bei einem Infoabend, zu dem Klimaliste und Umweltverband BUND eingeladen hatten.

Um die Explosion in der Sondermüllverbrennungsanlage von Currenta, deren Folgen und die Sorgen und Nöte der Anwohner ging es am Mittwoch im Forum auf der Informationsveranstaltung des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Klimaliste. Aus einer lebhaften Diskussion wurde teilweise eine leicht hitzige Debatte, in der sich immer wieder das große Misstrauen gegenüber den Behörden und der Industrie zeigte. Einigen konnten sich die Teilnehmer aber auf eins: Für den Wiederaufbau braucht es eine neue Genehmigung.

„Mir ist damals an diesem Morgen die Kaffeetasse aus der Hand gefallen“, berichtete Frank Pathe. Gemeint ist die Explosion, die ganz Leverkusen erschütterte. Nun kämpfen Parteien, wie seine Klimaliste, gemeinsam mit Umweltverbänden um die Aufklärung. Denn sie sagen: Viele Frage sind weiterhin ungeklärt. Und: Der Anlagenaufbau, so er denn an gleicher Stelle erfolgen muss, muss an die neuen Regelungen und Gesetze angepasst werden.

Pathe berichtete im Forum, Currenta wolle die Anlage „1:1 wieder aufbauen. Da sträuben sich uns die Nackenhaare.“ Die klare Haltung der Umweltverbände Greenpeace und BUND ist gegen jenen Plan. Die Bezirksregierung Köln sei in der Pflicht, ein Genehmigungsverfahren einzuleiten, das die veränderten Bedingungen prüft. Angelika Horster vom BUND-Arbeitskreis technischer Umweltschutz betonte: „Das werden wir auch intensiv fordern – notfalls mit Rechtsbeistand.“

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Dieter Donner von der BUND-Regionalgruppe Köln befürchtete, ein Wiederherstellungsverfahren von Currenta würde zwar nicht einfach, aber ohne den nötigen Druck von außen sicher durchkommen. Dafür müsse man den ein oder anderen Mitarbeiter der Bezirksregierung auf seine Seite ziehen. Sie bräuchten ein grades Rückgrat. Er sagte: „Die stehen zurzeit noch zu häufig auf Seiten der Industrie.“

Die Industrie – und in dem Fall Currenta – sei zudem für die langfristige Beobachtung des Bodens zuständig. Eine Frau wollte wissen, ob eine neue Analyse gemacht werde, um zu sehen, ob mittlerweile giftige Stoffe in die Böden gelangt sind. Manfred Sanden von Greenpeace verneinte. Das plane weder die Organisation, noch das Landesumweltamt (Lanuv). Auch die Klimaliste unter Pathe sei machtlos: „Wir können das schlichtweg nicht bezahlen“, sagte Pathe, der die Stadt als „Klo Europas“ bezeichnete.

Angelika Horster unterstützte die Forderung nach langjährigen Bodenkontrollen. Das sei sinnvoll, sagte sie. Und man solle den Boden vor allem nach dem giftigen Stoff Quecksilber absuchen, das bei der Verbrennung von alten Batterien freigesetzt werden kann.

In der offenen Fragerunde waren sich die Teilnehmer nicht immer eins. Es gab polemische Einwürfe, scharfe Vorwürfe und die Forderung nach mehr Sachlichkeit. Das Thema macht emotional, solange Fragen offen sind.