Nach 16 Jahren: Brandruine in Schlebusch wird abgerissen

Nach 16 Jahren : Brandruine in Schlebusch wird abgerissen

Fast auf den Tag genau 16 Jahre nach dem verheerenden Feuer verkünden Eigentümer Johannes Krämer und Stadtchef Uwe Richrath den Neubau.

Die tristen Tage der Brandruine Schlebusch sind gezählt: In der kommenden Woche rücken Bauleute an, um das Haus mitten in der Fußgängerzone abzureißen. „In Handarbeit. Hier kann man nicht mit großen Geräten arbeiten“, sagt Hauseigentümer Johannes Krämer. Die Baustellenzufahrt liegt dann auf der Rückseite. Mit so einem kleinen Hämmerchen, wie es Oberbürgermeister Uwe Richrath und Krämer am Mittwoch ansetzen, um eher symbolisch schon mal ein paar Schieferstücke von der Fassade zu schlagen, wird es ab nächster Woche aber wohl nicht zugehen. Krämer will in drei Monaten mit dem Abriss des rund 200 Jahre alten Gebäudes fertig sein und dann umgehend mit dem Neubau starten.

Fünf barrierefreie Wohnungen und eine Geschäftseinheit im Erdgeschoss sind geplant. Bauzeit: ein Jahr. In Schlebusch dürfte diese Nachricht für Aufsehen sorgen. Im positiven Sinne, denn der „Schandfleck“, wie engagierte Bürger die Brandruine öfter titulierten, sorgt seit Jahren für Aufregung, Protest, zahlreiche Verhandlungen zwischen Stadt und/oder Politik und dem Eigentümer und im engen rechtlichen Sinne für Hausfriedensbruch.

Foto: Ludmilla Hauser

Fast auf den Tag genau vor 16 Jahren brannte es in dem Haus mitten in der Fußgängerzone in Schlebusch, in der die Gaststätte „Alt Schlebusch“ untergebracht war. Laut Krämer war es damals Brandstiftung. Seitdem stand das Haus leer. Im vergangenen Jahr hatten aktive Bürger eine umfangreiche Unterschriftenliste bei Stadtchef Uwe Richrath abgegeben. Sie forderten ein Baugebot zu dem Objekt. Heißt: Die Gemeinde kann den Eigentümer unter anderem verpflichten, sein Grundstück zu bebauen oder ein vorhandenes Gebäude den Festsetzungen des Bebauungsplans anzupassen, sagt das Gesetz.

Mehrfach hatten Bürger Bettlaken mit Sprüchen wie „Eigentum verpflichtet“ am Haus befestigt. Auch hinter dem Baumzaun. „Das ist Hausfriedensbruch. Ich habe aber darauf verzichtet, Anzeige zu erstatten“, sagt Krämer beim Ortstermin am Mittwoch. Die verbalen Angriffe auf seine Personen interessierten ihn nicht so sehr. „Da stehe ich drüber.“

Allerdings: Stadt und Politik, vor allem CDU und SPD, hätten Druck auf ihn ausgeübt, mit dem Abbruch- und Neubauvorhaben endlich voranzukommen. Abbruch- und Baugenehmigungen liegen Krämer schon länger vor, wurden zwischenzeitlich erneuert bzw. verlängert. Uwe Richrath umschreibt das, was Krämer mit „Druck ausgesetzt“ formuliert, als „persönlichen Kontakt, der zu diesem Schritt geführt hat. Ich bin froh, dass das nun klappt. Das Thema hat mich seit Anfang meiner Dienstzeit begleitet.“ Und davor seine Vorgänger im Amt, etwa Reinhard Buchhorn.

Krämer steckt in Abbruch und Neubau 1,5 Millionen Euro, sagt er. Die fünf Wohnungen zwischen 60 und 102 Quadratmeter will er barrierefrei gestalten. Der Bergisch Gladbacher hat mehrere Immobilien in Leverkusen und weiteres Interesse, „aber es ist in dieser Stadt schwierig, eine Baugenehmigung zu bekommen“, gab Krämer Uwe Richrath mit auf den Weg.