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Leverkusen/Burscheid: Motorradclub wegen blutiger Schlägerei vor Gericht

Leverkusen/Burscheid : Motorradclub wegen blutiger Schlägerei vor Gericht

Wie Musterknaben saßen am Dienstag ein aktives und ein ehemaliges Mitglied des Motorradclubs "Outlaws" ("Gesetzlose") auf der Anklagebank im Leverkusener Amtsgericht. Sie sollen im November 2011 in einer Burscheider Disco eine blutige Schlägerei mit dem Türsteher ausgetragen haben, wobei auch die Wirtin und ein Kellner verletzt worden sein sollen.

Kurz nach der Schlägerei sollen dann mehr als 20 "schwarze Männer" in den Kutten des "MC Outlaws" genau zur Öffnungszeit der Disco auf dem Parkplatz gefahren sein, um die Gäste zu vertreiben und die Wirtin einzuschüchtern: "Wir hatten nur einen Ausflug. Das sollte keine Drohung sein", sagte einer der beiden Angeklagten, der durch eine ungewöhnliche Tätowierung auf seiner Glatze auffiel.

Vor Gericht gab er sich lammfromm und entschuldigte sich bei den als Zeugen anwesenden Opfern. Er sei auch nicht mehr Clubmitglied, aber es sei eine schöne Zeit bei den "Outlaws" gewesen: "Obwohl manche Leute Vorurteile gegen uns haben", sagte er. Sein Mitangeklagter, der nach Zeugenaussagen die treibende Kraft bei der Schlägerei war, ist nach wie vor bekennendes Mitglied der "Outlaws". Er brachte aber seriös wirkend die Lebensgefährtin und seine knapp drei Monate junge Tochter mit in den Gerichtssaal. Die Verteidigerin sagte an seiner Stelle, ihr Mandant wisse wegen seiner erheblichen Alkoholisierung von mehr als zwei Promille in der Tatnacht nicht mehr, was tatsächlich geschehen sei. Es tue ihm aber Leid.

Auch der zweite Angeklagte, der laut Zeugenaussagen zwar mitgeschlagen und -getreten hatte, aber zwischenzeitlich auch versucht habe, die Lage zu beruhigen, war zum Tatzeitpunkt mit etwa 1,7 Promille alles andere als nüchtern.

Mit milden Geldstrafen von 1400 und 1500 Euro kamen die Angeklagten davon. Für gefährliche, gemeinschaftliche Körperverletzung hätten sie aber auch zwischen sechs Monaten und zehn Jahren Freiheitsstrafe kassieren können, wie ihnen der Richter verdeutlichte. Der gab den beiden Motorradfans noch mit auf den Weg, sie müssten sich schon bewusst sein, dass es für manche Leute bedrohlich wirke, wenn sie mit ihren Kutten als Motorradclub aufmarschierten.

Der Verbindungsbeamte für Motorradgruppen bei der Kreispolizei Rhein-Berg, Werner Bauschert, war übrigens auch in die Ermittlungen dieses Falles eingeschaltet worden. Gegen die beiden in Rhein-Berg ansässigen Motorradclubs "Outlaws" und "Living Deads" seien bei der Polizei aktuell keine Straftaten bekannt, und auch in der Vergangenheit habe es keine Auffälligkeiten gegeben. Er wisse aber, dass der eigentliche Auslöser für die Schlägerei in der Burscheider Disco so etwas wie ein Revierübertritt gewesen sei: "Wenn Mitglieder aus auswärtigen Clubs irgendwo auftauchen, dann wollen die Einheimischen ihre Stärke beweisen. Manche verhalten sich dann wie kleine Kinder, aber einige haben auch eine hohe kriminelle Energie", sagt der Polizist.

(RP)