Mobiliätskonzept stößt in Leverkusen auf geringe Resonanz

Bürgerversammlung : Wenig Interesse an Mobiliätskonzept

Für die Verkehrswende in Leverkusen engagieren sich rein praktisch wenige Bewohner. Nur knapp 60 kamen Montagabend zur 2. städtischen Bürgerversammlung nach Opladen, um über das „Mobilitätskonzept 2030+“ als Teil des Luftreinhalteplans Leverkusen zu diskutieren und eigene Vorschläge einzubringen.

Eine schwache Beteiligung für eine Stadt mit fast 170.000 Einwohnern, um deren Mobilitätsgrundlage es geht. Der städtische Mobilitätsmanager Christian Syring hatte aber nicht viel mehr Gäste erwartet.

Noch etwas wurde überdeutlich: Die Stadt selber hat kaum Geld, um den Weg weg vom Auto und hin zu mehr Rad- und Fußverkehr oder Busnutzung zu finanzieren. „Wir sind auf Zuschüsse  angewiesen“, bestätigte Dezernentin Andrea Deppe, die Stadt  sei eben eine finanzschwache Kommune.

Trotzdem: Auch in der im Vergleich zu Köln oder Düsseldorf vergleichsweise verkehrsarmen Stadt Leverkusen müssen die Abgase reduziert werden, um die Lebensqualität zu steigern.  Dieselfahrverbote in Leverkusen schließt die Bezirksregierung Köln bislang als „unverhältnismäßig“  aus. Montag skizzierte die Stadt mit externen Beratern erste Ideen zur Verbesserung der Luft und zur „verträglichen Gestaltung der Kfz-Verkehre“. Wenig überraschend: Als tragende Säulen der Verkehrswende werden das Fahrrad und der Busverkehr angesehen.

Beispiel: Autofahrer sollen möglichst am Rand der Stadt oder der Stadtteile ihre Fahrzeuge auf P&R-Plätzen abstellen, dort auf Leihräder oder Busse umsteigen. Der Umstieg aufs Rad sei vor allem eine Kopfsache, sagte eine Besucherin. Sie benutze ihr Auto inzwischen nur jede dritte Woche. „Und es klappt.“ Einige Besucher forderten dazu eine schnellere Busfolge, etwa im Zehn-Minuten-Takt, und preiswertere Bustickets. Wupsi-Vertreter Frank Nettesheim begrüßte die Wünsche und begrub sie gleich wieder: „Wir würden das gerne machen, aber uns fehlt das Geld...“, Das ließ ein Besucher nicht gelten: Es gebe Städte, die hätten mehr Linienbusse zu günstigeren Preisen im Einsatz und machten sogar Gewinn: „Die Politik braucht mehr Mut für solche Projekte.“
Verkehrsplaner wie Bürger (748 Anregungen gab es über das Internet) fordern:
-  Ausbau von Fußwegverbindungen und Radschnellwegen
- Komfortradwege zwischen Opladen, Wiesdorf, Schlebusch
- Ampeln mit Vorrangschaltung für Radler
- gesicherte Radabstellplätze an Bushaltestellen und in den Zentren
- Fahrrad-Parkhäuser an Bahnhöfen
- mehr Job-Tickets
- mehr Paketstationen zur Vermeidung von Lieferverkehr
- Stärkung der Nahversorgung in den Stadtteilen für eine „Stadt der kurzen Wege“. Nach einem 3. Bürgerforum im Herbst sollen Ende 2019 konkrete Maßnahmen zum Mobilitätskonzept vom Stadtrat beschlossen werden.

Eine Besucherin wünschte sich einen Radschnellweg durch den Bürgerbusch. Andere Forderung: Anhebung der Parkgebühren auf 20 Euro pro Stunde.

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