Mitangeklagter belastet "Don Mikel" schwer

Landgericht : Mitangeklagter belastet „Don Mikel“ schwer

Woher Michael G. das Geld für die Finanzierung seiner aufwendigen Flotte von Luxus-Fahrzeugen hatte, ist noch nicht in allen Einzelheiten deutlich geworden. Auch wie er die sehr teure Aufwertung seiner Wohnung in Bürrig finanziert hat, ist nur zum Teil geklärt.

Dass der „Don Mikel“ genannte Angeklagte als jemand gilt, der gerne einen gehobenen Lebensstil pflegt, war in Leverkusen schon vor dem Mammutprozess des Kölner Landgerichts offensichtlich – wurde nun aber durch die Aussage eines  Mitangeklagten gerichtsverwertbar bestätigt.

Michael G., der offiziell über kein Einkommen verfügt und angeblich  von Sozialhilfe lebt, war immer liquide. Auch wenn es um höhere Beträge ging. Zwar waren sämtliche Autos vom Rolls Royce bis zum Porsche auf andere Fahrzeughalter zugelassen, doch sie standen in einer neu gebauten Garage hinter seinem Haus und wurden im März 2018 in einer spektakulären Aktion beschlagnahmt.

Don Mikels Wohnung in einem  Gebäude, das ebenfalls jemand anderes gehört, der ebenfalls angeklagt ist, wurde auf eigene Kosten hochwertig umgebaut. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter bezifferte die Maßnahmen auf mindestens 750.000 Euro; 2014 wurde das gesamte Gebäude für 575.000 Euro erworben. Bis auf 300.000 Euro, die der im Grundbuch eingetragene Eigentümer des Objektes durch Darlehen oder direkten Zuschuss  finanzierte, bleibt immer noch ein stolzer Betrag aus eigener Tasche des Don. Selbst wenn man davon Beträge abzieht, auf die die Handwerker, die die Arbeiten ausführten, bis heute warten.

Der Immobilien-Unternehmer aus Bergisch Gladbach, der auf Vermittlung oder Empfehlung von Michael G. mindestens fünf Objekte kaufte, war von dem Bürriger Haus nicht angetan: „Falsches Objekt in falscher Lage.“ Die aufwendige Renovierung besagter Wohnung war so teuer, dass man eigentlich eine Miete hätte verlangen müssen, „die nur ein Fußballer von Bayer 04 hätte bezahlen können“, führte der Eigentümer aus. „Aber die hätten die Lage nicht akzeptiert.“

Auf den mehr als 200 Quadratmetern  eines ehemaligen Ladenlokals ließ Michael G. ein Refugium errichten, das seinen Hang nach Wohlstand belegen sollte. Da er selbst nie auf schriftlichen Belegen aufkreuzte, war es für die Behörden nicht einfach, ihm nachzuweisen, woher das Geld für seinen Lebensstil stammte, das mit den Immobilien und Autos gewaschen werden sollte.

Das änderte sich erst, als die Kölner Kripo Hinweise von Kollegen aus der Schweiz erhielt und eine Informantin aus dem erweiterten Familienkreis der stadtbekannten Großfamilie zur Polizei ging. Die brachte die Ermittler auf die richtige Fährte, eine Telefonüberwachung führte dann etwa nach Frechen, wo ein Rentner-Ehepaar um fast eine Million Euro betrogen wurde.

Die Aussagen des mitangeklagten Immobilienmaklers belasten „Don Mikel“ zusätzlich; für sich selbst konnte der 55-Jährige mit seiner zwei Verhandlungstage dauernden Aussage wohl etliche Pluspunkte für eine womöglich mildere Strafe sammeln. Der Prozess wird am Donnerstag fortgesetzt.

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