Leverkusen: Mit Teamgeist und Taktgefühl

Leverkusen: Mit Teamgeist und Taktgefühl

Junge Holz- und Blechbläser der Musikschule gaben vor 400 Zuhörern ein Konzert im Forum.

Einige sind noch so klein, dass sie eine Sonderanfertigung ihres Instrumentes für Anfänger brauchen. Die jüngsten Querflötistinnen etwa, weil die Finger noch nicht so weit greifen können. Oder die Juniorausgabe der Tuba, die trotzdem den jungen Instrumentalisten völlig verdeckt. Sie sind eben alle noch Anfänger, trotzdem spielen auch die Kinder im Grundschulalter bereits im Ensemble zusammen. Da sind die passenden Stücke natürlich noch recht kurz und nicht allzu schwer, aber es klingt schon erstaunlich gut und voll, wenn die jüngsten Instrumentalisten der städtischen Musikschule gemeinsam spielen.

Dieses Zusammenspiel in der Gruppe wird im Hause groß geschrieben, versichert Leiter Jürgen Ohrem. Denn es fördert die Spielfreude, wenn es mehrstimmig klingt. Außerdem werden dabei noch ganz andere Fähigkeiten wie Teamgeist und Taktgefühl geschult als im Einzelunterricht. Zu Beginn eines jeden Jahres haben die Gruppen deswegen die Gelegenheit, sich in einem Konzert vor Publikum im Forum zu bewähren. Am Samstag war es für die Bläser wieder soweit. Vor rund 400 Zuhörern aller Altersstufen spielten die Gruppen, angefangen bei den "Holzwürmern", den Anfängern auf Holzblasinstrumenten, die unter der Leitung von Gabriele Günther erste kleine Stücke präsentierten. Unter anderem hatten sie einen Holzschuhtanz im Programm, der nicht nur beim Blasen rhythmische Genauigkeit erfordert, sondern auch noch exakte Pausenfüller mit Holzgeklapper, den Holzschuhen eben. Parallel dazu üben die jüngsten Blechbläser bei Martin Winkel das Zusammenspiel. Der Leiter schlug den Takt dazu auf einem Klangholz, um seine Trompeten, Posaunen und Hörner frühzeitig an ein Schlagzeug zu gewöhnen, das bei allen größeren Ensembles obligatorisch dazugehört.

In der Musikschule arbeiten Holz und Blech anfangs getrennt. Aus methodischen Gründen, erklärt Ohrem. So gibt es weniger Probleme mit Tonarten. In den Grundschulen geht das nicht, dazu ist der Schülerkreis zu klein, Da wird also von Anfang an gemischt unterrichtet. Nach ersten guten Erfahrungen in der GGS Im Steinfeld hat die Musikschule seit dem Sommer eine weitere Kooperation mit der Fontaneschule. Zunächst wurde mit Instrumentalunterricht begonnen, nach den Osterferien wird auch dort im Ensemble musiziert.

Im Konzert gab es eine Premiere. Zum ersten Mal waren die Fortgeschrittenen beider Gruppen, die als "Tonmeister" seit zehn Monaten unter der Leitung von Johannes Lemke zusammen spielen, jetzt schon mit echten Schlagzeugern, die gerade mal einen Kopf größer sind als ihr Instrumentarium. Mit 35 Kindern ist diese Gruppe beinahe doppelt so groß wie die nächste Stufe, das Jugendblasorchester von Margit Baranyai, die derzeit gar keine Klarinetten an Bord hat. Ganz klar eine Folge von G8, die Musikschulen bundesweit beklagen, erklärt Jürgen Ohrem. Seine Hoffnung setzt er nun auf die politische Kurskorrektur. Im größten Blasensemble werden die fehlenden Jugendlichen durch Erwachsene und Ehemalige ersetzt. 66 werden dabei sein, wenn das Orchester in der Pfingstwoche aus Anlass der 50-jährigen Städtepartnerschaft mit nach Oulu in Finnland reist.

(RP)