Michael Kolvenbach: Mit i-Dötzchen den Schulweg üben

Michael Kolvenbach : Mit i-Dötzchen den Schulweg üben

Der Verkehrssicherheitsberater Michael Kolvenbach rät Eltern, frühzeitig eine sichere Schulweg-Strecke zu planen. Mit dem Fahrrad dürfen Kinder in Leverkusen vor der vierten Klasse nicht zur Schule fahren.

Leverkusen In wenigen Tagen beginnt die Schule. ABC-Schützen sind auf dem Schulweg besonders gefährdet im Straßenverkehr. Sie können Risiken noch nicht einschätzen und müssen erst lernen, sich umsichtig und vorausschauend zu verhalten. Zum Schulanfang sollten Eltern daher mit ihrem Kind den Weg zur Schule üben und ihm genau erklären, worauf es achten muss, rät Verkehrssicherheitsberater Michael Kolvenbach.

Kindergartenkinder nehmen den Straßenverkehr anders wahr als Erwachsene. Was müssen Eltern wissen, um das Verhalten ihrer Kinder im Verkehrsalltag richtig einschätzen zu können?

Michael Kolvenbach Sehr junge Kinder laufen einfach los ohne nach links und rechts zu gucken und ohne auf den Verkehr zu achten. Kinder lassen sich sehr stark von Gefühlen leiten. Sie sehen und hören anders, haben keinerlei Gefahrenbewusstsein. Selbst wenn Kinder nachplappern, dass sie aufpassen müssen, heißt das nicht zwingend, dass sie auch wissen, was das bedeutet. Eltern müssen deshalb frühzeitig mit den Kindern den Schulweg üben und trainieren. Nicht nur einmal, sondern regelmäßig, damit die Kinder sicher werden.

Was können Eltern tun, um sich in die Situation ihrer Kinder im Straßenverkehr noch besser hineinzudenken?

Kolvenbach Wir bieten als Polizei Elternveranstaltungen in den Kindergärten an. Darüber hinaus bieten wir an, mit Eltern und Kindern gemeinsam im Straßenverkehr zu üben. Man muss mit Kindern über Gefahren sprechen, am besten direkt vor Ort und die Situationen einzeln üben.

Ab wann sollte Verkehrserziehung beginnen?

Kolvenbach Es gibt keinen Stichtag, am besten schon im Vorschulalter. Verkehrserziehung sollte man außerdem in den normalen Alltag einbeziehen ohne dem Kind explizit zu sagen, ich übe jetzt mit Dir für den Straßenverkehr.

Welche Grundregeln sollten Eltern ihren Kindern beibringen?

Kolvenbach Eltern müssen Wahrnehmung, Reaktion, Bewegungsfähigkeit und Verständigungsfähigkeit schulen. Ich würde einem Kind immer beibringen, niemals im Straßenverkehr zu rennen, sondern ganz normal zu gehen. Außerdem sollte man dem Kind ganz bewusst zeigen, dass es den Kopf nach links und nach rechts drehen soll, bevor es die Straße überquert.

Im Kindergartenalter lernen die meisten Kinder das Fahrradfahren und wollen dann am liebsten gleich wie die Großen am Straßenverkehr teilnehmen. Ist das sinnvoll?

Kolvenbach Wir haben in Leverkusen schon vor vielen Jahren eine Absprache mit der Schulleiterkonferenz getroffen, dass die Kinder nicht mit dem Fahrrad zur Schule kommen dürfen. Das geht frühestens ab dem vierten Schuljahr los. Das liegt daran, dass die Kinder vorher im Verkehr hoffnungslos überfordert wären.

Ab wann kann ein Kind den Schulweg dann schon ganz alleine bewältigen?

KOLVENBACH Das ist bei jedem Kind anders. Wichtig ist mir, dass Eltern ihre Kinder richtig einschätzen können. Eltern sollten die Kinder frühestens dann alleine gehen lassen, wenn sie sicher sind, dass das Kind die Absprachen, die sie getroffen haben, auch einhält. Wenn Eltern häufig genug geübt haben, sollten sie dem Kind auch mal hinterher gehen und gucken, ob es sich an die Absprachen hält. Außerdem sollte man beobachten, wie sich das Kind in der Gruppe verhält.

Was kann man als Autofahrer tun, um gefährliche Situationen mit Kindern zu vermeiden?

Kolvenbach Autofahrer sollten auf jeden Fall den Fuß vom Gas nehmen, bewusst vorsichtig fahren, vor allen Dingen im Umfeld von Kindergärten, Schulen, Bushaltestellen und Spielstraßen. Autofahrer sollten außerdem gelassen reagieren, wenn ein Kind sich unsicher verhält. Auf keinen Fall auf die Hupe drücken, das irritiert das Schulkind nur zusätzlich.

Wie werden die Verkehrssicherheitstrainings in den Leverkusener Kitas und Schulen angenommen?

Kolvenbach Wir arbeiten erfolgreich mit den Leverkusener Schulen und Kindergärten zusammen. Die Sache ist über Jahre hinweg gewachsen. Nur wenige Einrichtungen machen das auf eigene Faust ohne Polizei.

Was ist im Umgang mit Kindern wichtig?

Kolvenbach Wichtig ist, nicht mit den Kindern zu schimpfen, wenn nicht alles auf Anhieb klappt, so wie sich die Erwachsenen das vorstellen. Dann kommt Unsicherheit rein. Mit Lob kann man Kinder dagegen motivieren.

SABINE WOTZLAW FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)
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