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Leverkusen: "Mister Jazz" will bald wieder durchstarten

Leverkusen : "Mister Jazz" will bald wieder durchstarten

Wolfgang Orth wird heute 73 Jahre alt. Nachdem er lange Zeit krank war, beginnt er nun wieder zahlreiche Projekte.

Heute feiert Wolfgang Orth - von Freunden auch gerne als "Mister Jazz" bezeichnet - seinen 73. Geburtstag. Fast ein Jahr war er ziemlich krank. Jetzt ist der Topos-Besitzer, bildende Künstler und gelernte Goldschmied wieder auf dem Weg der Besserung. Sehr zur Erleichterung von Ehefrau Ingrid und seiner gesamten Fangemeinde.

Im RP-Gespräch erläutert er nochmals die Gründe für das Ende der Kultveranstaltung "Streetlife". Er spricht darüber, wie es in Zukunft beim Verein "Jazz Lev" weitergeht. Und er blickt zurück auf fast 50 Jahre, in denen das Jazzlokal Topos an der Hauptstraße in Wiesdorf besteht und in dem sich Musiker sowie Tonkünstler von Weltformat mehr oder weniger die Klinke in die Hand gegeben haben. Nicht zuletzt kommentiert Orth die Kulturszene seiner Heimatstadt.

"Viele Faktoren spielten eine Rolle für das Ende von 'Streetlife'", sagt Orth. Zum einen seien die meisten ehrenamtlichen Helfer zu alt geworden. Interessierter Nachwuchs, der etwa schwerere Bierfässer besser rollen könnte, bleibe aus. Dazu kamen finanzielle Probleme. Das, wovor er ausdrücklich immer gewarnt habe, sei eingetreten: Zu viele Besucher hätten sich eigene Getränke mitgebracht und letztlich dazu beigetragen, dass der Verein "Jazz Lev" als Veranstalter nicht auf seine Kosten kam. Deshalb seien Bewirtungs- und Hotelkosten für mehr als 400 Musiker an zweieinhalb Tagen nicht mehr zu stemmen gewesen. Trotz allem plant der Verein am ersten Wochenende im August eine Feier zum 40-jährigen Bestehen. Aktuell werde nach Bands gesucht. "Es wird ein schönes Fest, da bin ich sicher", sagt Orth voller Vorfreude, obwohl das Fest "etwas gemütlicher" und mit nur einer Bühne vor dem Topos gestaltet werden soll. Immerhin: Die Hauptstraße soll laut Orth komplett gesperrt werden. In ähnlichem Rahmen will er im nächsten Jahr auch das Topos-Jubiläum steigen lassen.

Bei der Eröffnung des "Streetlife" 2017 stand Orth kurz auf der Bühne. Foto: UM

Im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte waren dort die größten Jazzer der Welt zu Gast. "Ich kann gar nicht alle aufzählen, so viele sind es", erläutert Orth. Viele von ihnen seien schon tot. So zum Beispiel der Amerikaner Art Blakey, der in vielen Bands und als Begleiter herausragender Solisten wie etwa Miles Davis spielte und bis heute ein Stück Jazzgeschichte verkörpert, ehe er 71-jährig verstarb. Und der zu den Leuten gehörte, "von denen ich glaubte, dass sie nie ins Topos kommen würden", sagt Orth, der selbst 95 Jahre werden und mit 80 seine Memoiren schreiben möchte. Orth: "Sobald ich meine gesundheitlichen Probleme überwunden habe, geht es voll weiter. Dann bin ich wieder regelmäßig in meiner Werkstatt und im Topos."

Apropos Werkstatt: Aktuell arbeitet der Unermüdliche an einem ungewöhnlichen Kunstwerk. "Ich muss immer was tun. Je mehr ich schaffe, desto besser geht es mir." Die Organisation der 38. River-Boat-Shuffle, die ebenfalls von "Jazz Lev" ausgerichtet wird, hat er allerdings seiner Stellvertreterin Birgit Kremer überlassen. Die Bands für die musikalische Rheintour an Bord des Schiffs "MS Eureka" am Samstag, 18. August, stehen fest (siehe Kasten). Der Vorverkauf hat begonnen.

Wolfgang Orth ist mit seinem Jazzlokal Topos seit fünf Jahrzehnten in der Leverkusener Musikszene aktiv. Foto: Schütz, Miserius, Hoffmann (Archiv)z

"Zum Glück hatten wir bei dieser Veranstaltung keine Verluste", sagt Orth, der die Meinung vertritt: "Im Museum Morsbroich muss es auch ohne Heinzelmann weitergehen." Er würde sich für Kunst und Kultur in Leverkusen mehr und breitgefächerte Angebote für junge Leute wünschen. Überhaupt müsse die Szene "dringend auf hohem Niveau" bleiben. Das sei außerordentlich wichtig für eine Kommune wie Leverkusen, "die bis vor einigen Jahren außer Bayer nichts hatte".

(RP)