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Mischa Kuball zeigt Ausstellung im Museum Morsbroich in Leverkusen

Ausstellung „ReferenzRäume“ im Museum Morsbroich : Neue Schau von Mischa Kuball

Auf allen drei Etagen gibt das Museum Morsbroich in der Schau „ReferenzRäume“ einen umfassenden Überblick über das Werk des Konzeptkünstlers, der im öffentlichen Raum arbeitet.

„Kritisches Denken braucht Zeit und Raum“ ist weiß auf schwarz auf einer langen Fahne zu lesen. Dieser Beitrag zur aktuellen Ausstellung „ReferenzRäume“, die einen Überblick über das Werk des Konzeptkünstlers Mischa Kuball gibt, könnte das Motto für die Neukonzeption am Museum Morsbroich sein, meint Direktor Jörg van den Berg. Tatsächlich stand der Satz auf einem Bettlaken, das am 8. Oktober 1989 bei einer Montagsdemo durch die Leipziger Innenstadt getragen wurde. Mischa Kuball war damals eher zufällig vor Ort und griff das Zitat als Kern eines friedlichen Aufstandes aus der bürgerlichen Mitte auf. Dass es inzwischen vom Stadtmarketing ge- oder benutzt wird, gefällt ihm weniger, zeige aber durch die Umdeutung die Ambivalenz.

Mischa Kuball, Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Kunst im öffentlichen Raum in Deutschland, mischt sich ein in gesellschaftliche Prozesse und hinterfragt das Verhältnis zu Geschichte. Seine Werke sind keine fertigen Statements, die sich an die Wand hängen lassen, sondern Prozesse, die grundsätzlich nach Beteiligung verlangen. Am liebsten ist es ihm, wenn seine Arbeiten eine gewisse Eigendynamik entwickeln. „Weil ich mich als Katalysator begreife, indem ich etwas anstoße und mich dann überflüssig mache“, sagt er.

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In diesem Sinne hat er 2017, mitten in der Debatte um die drohende Schließung des Museums Morsbroich, sein „leverkusen_transfer“ gestartet. Dazu hat er eine Folie mit dem Grundriss des ersten Museumsraumes vor der Rathausgalerie ausgebreitet, sozusagen den Ratsherren und -frauen vor die Füße gelegt und zwei Wochen lang von Passanten betreten lassen, um sie dann mit den Spuren des Alltags zur Ausstellung zur „Partizipation als künstlerisches Prinzip“ ins Museum zurückzubringen.

Jetzt liegt die Arbeit erneut dort als Startpunkt der Retrospektive, von dem Schnüre über und zu anderen Projekten im öffentlichen Raum - durch viele einzelne Fotos dokumentiert - gespannt sind. Unter anderem seine „Speaker’s Corner“ in Köln, an die eine leere Wasserkiste und ein Megaphon erinnern. Zugleich sind sie Hinweis auf die Fortsetzung im Schlosspark, wo Kuball bereits vor drei Wochen seine „parc stage“ eröffnet hat. Dass er gerne verkürzt als „Lichtkünstler“ bezeichnet wird, erklärt sich in der ersten Etage, die fast komplett verdunkelt ist.

Mittendrin die Arbeit „five suns/after Galileo“ von 2018, bei der sich rotierende Plexiglasscheiben drehen, in die der Künstler Löcher gebrannt hat, präzise nach Galileos Skizzen von beobachteten Sonnenflecken, die für ihn untermauerten, dass die Erde eine Kugel ist. Die bewegte Installation steht so für den Weg der Erkenntnis. Das komplette Dachgeschoss nimmt das Projekt „New Pott. Neue Heimat im Revier“ von 2010 ein. Dazu hat Kuball 100 Migrantenfamilien aus unterschiedlichen Herkunftsländern besucht und interviewt. Jeder hat er identische Kugel-Stehlampen als Lichtzeichen der Begegnung geschenkt und die unterschiedlichen Geschichten erzählen lassen. Alle sind durch Fotografien und Filmaufnahmen dokumentiert.