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Minister Jens Spahn diskutiert im Klinikum Leverkusen

Ministerbesuch im Klinikum : Jens Spahn, Brasilianer unter den Westfalen

Der Bundesminister spricht im Klinikum zu Gesundheitsthemen, aber auch zum Wahltheater in Thüringen.

Wenn es nichts werden sollte mit dem Posten als CDU-Chef oder dem als Merkel-Nachfolger – Jens Spahn muss sich um seine berufliche Zukunft nicht sorgen. Der Mann kann reden. Der Mann kann verständlich erklären. Der Mann kann dabei Vorurteile entkräften. Zumindest dies, dass der Münsterländer zum Lachen in den Keller geht. Spahn lacht im Erdgeschoss. Am Montagnachmittag in dem des Klinikums Leverkusen. In den Seminarräumen des Hauses scherzt er am Ende der Vortags- und Diskussionsrunde. Gerade hat er den aktuellen Karnevalsorden der KG Klinikum frisch von Jürgen Zumbé, dem Ärztlichen Direktor, um den Hals gelegt bekommen: „Wir Münsterländer sind ja die Brasilianer unter den Westfalen.“ Das Publikum lacht. „Ich war auch schon mal Kinderprinz“, setzt Spahn hinterher und erntet Applaus. Richtigen. Nicht  nur die Anstandsvariante nach einem Vortrag mit Fragerunde zwischen Politiker und Publikum.

Um seine Büttenredner-Qualitäten unter Beweis zu stellen – und die hat er zweifelsohne, denn zwischendurch streut er gekonnt passende Scherze ein – ist der CDU-Bundesgesundheitsminister nicht ins Klinikum gekommen. Er will über aktuelle Themen der Gesundheitspolitik sprechen. Schwere Kost.  In Kerpen hat er kurz vorher über das Thema Organspende diskutiert, später muss er noch nach Düren. Jetzt steht er vor Krankenhauspersonal und federt das – modern formuliert – Thüringengate der CDU von sich aus ab. „Thüringen ist ein Symptom“, sagt er, „für verlorenes Vertrauen.“  Und: „Im Grunde ist es egal, wer den Parteivorsitz hat, es geht um die Entscheidungen, die getroffen werden.  Es herrscht Vertrauensverlust in die Funktionsfähigkeit des Staates“, diagnostiziert er. Berliner Flughafen, Lieferengpässe bei Medikamenten, Kontrolle der Grenzen. „Die Leute fragen sich: Funktioniert der Staat noch?“ Das Vertrauen, fügt Spahn an, lässt sich zurückgewinnen durch „gute Debatten. Es muss dabei nicht jeder einer Meinung sein. Andere Meinungen muss man einfach mal stehen lassen können, Auch wenn das schwer fällt. Siehe Facebook. Eine gute Debatte, das ist schon ein Wert an sich. Aber es müssen auch Entscheidungen gefällt werden.“

Auch in seinem Metier, dem Gesundheitswesen. Spahn spricht zur Personaluntergrenze und einem leergefegten Fachkräftemarkt, dazu, wie er die Situation verbessern will, damit Pflegekräfte zurück in ihren Beruf kommen. Er spricht über die elektronische Patientenakte und wie sie das Gesundheitswesen erobern wird („Nirgendwo wird im Jahr 2020 noch so viel gefaxt wie im Gesundheitswesen“ und „Wir müssen damit mal irgendwann anfangen. Wenn ich in meinem Ministerium frage, dann  heißt es, geben Sie uns noch drei Jahre, dann ist es perfekt. Aber das ist der Grund, warum in unserem Land nichts fertig wird, weil wir immer warten, bis alles perfekt ist.“). Spahn setzt unter anderem auf Telemedizin und Online-Sprechstunde neben dem „Goldstandard“ der persönlichen Behandlung, auf bedarfsgerechte Strukturen in der deutschen Krankenhauslandschaft.

Ärzte, Krankenhausapothekerin, Betriebsrat, der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung haken in der Fragerunde nach – zu Arzneilieferengpässen, Finanzen, Notfallambulanz, zu viel Bürokratie­dschungel. Spahn kommt kaum ins Schleudern, antwortet klar und logisch, auch wenn die Antwort vielleicht nicht jedem recht sein mag. Wie gesagt, der Mann kann reden. Auch am Schluss, als Zumbé ihm den Orden umhängt, weiß Spahn zu kokettieren: „Was soll man sich in diesen Tagen mehr wünschen?“