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Messerstecherei in Opladen - Staatsanwalt will Aufhebung der Haft

Prozess um Messerstecherei am Berufskolleg in Opladen : Staatsanwalt will Aufhebung der Haft

Im Prozess um die Messerstecherei am Berufskolleg in Opladen im vergangenen Herbst könnte Anfang Juni das Urteil fallen. Der 22-jährige Angeklagte sitzt seit mehr als sieben Monaten in Untersuchungshaft.

Eigentlich sollte schon längst das Urteil im Landgerichts-Prozess gegen einen 22-Jährigen Mann verkündet worden sein, der am 6. Oktober vergangenen Jahres einen Schüler des Opladener Berufskollegs mit zwei Messterstichen lebensgefährlich verletzt hatte. Dreimal musste die Kammer wegen Corona-Befunden von Verfahrensbeteiligten  die Termine aufheben, erst am Montag fand nun der zweite Verhandlungstag statt.

Aber da ging alles zügig mit den Ausführungen des psychologischen Gutachters über die Bühne. Gleichwohl überraschte der Staatsanwalt mit einem Antrag, den Haftbefehl vorläufig außer Kraft zu setzen. Ob das Gericht es schafft, darüber noch am Montag zu entscheiden, ließ die Kammer offen. Jedenfalls will der Staatsanwalt nach den bisherigen Erkenntnis den Vorwurf eines vorsätzlichen Totschlags nicht aufrecht erhalten.

Weiter geht’s nun erst einmal am 3. Juni, die Beteiligten haben sich in ihren Terminkalendern notiert, dass sie dann ihre Plädoyers abhalten sollen.  Wenn dann tatsächlich nicht wieder Unvorhergesehenes passiert, könnte  tatsächlich auch noch das Urteil verkündet werden. Gestartet war der Prozess am 5. April. Dabei legte der Angeklagte ein volles Geständnis ab,  zahlreiche Zeugen wurden bereits gehört. Der Geschädigte selbst zeigte die lange Wunde an seinem Bauch. Die Freundin des Angeklagten verwies auf die bei der Polizei gemachten Angaben. Vor Gericht berief sie sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, da sie mit dem Angeklagten inzwischen verlobt sei.

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Offensichtlich hatte sie ihren Freund um Hilfe gebeten, weil sie von einem Mitschüler (dem Opfer) gemobbt worden sein soll. Es kam zu einer spontanen Begegnung von Freund und Mitschüler, bei der einer mit der Faust zuschlug, der andere das Messer einsetzte. Die Reihenfolge der Handlungen ließ sich nicht eruieren.

Nachdem am Montag nun auch der Psychologe den Angeklagten als „normal“ einstufte, also keine strafmindernden Umstände wie Krankheiten oder krankhafte Abhängigkeiten von Genuss- und Rauschmittel erkennen konnte, muss er dennoch für seine Tat – er hatte schließlich ein Messer gezückt und den Schüler des Berufskollegs auf dem Parktplatz der Schule  mit zwei Stichen in den Bauch verletzt – eine „nicht unerhebliche Strafe“ (Staatsanwalt) erwarten.

Weil er mittlerweile schon über sieben Monate in Untersuchungshaft ist und man gewöhnlich davon ausgehen kann, dass bei guter Führung die Haftstrafe verkürzt werden kann, bliebe nicht mehr allzu viel Zeit für die „harte“ Haftstrafe. Zumal auch der Verteidiger gleich ergänzte, dass es eine Zusage eines Betriebes gebe, der den 22-Jährigen sofort nach der Haft einstellen würde.