Meret Becker gastiert mit "Le Grand Ordinaire" in Leverkusen

Interview Meret Becker : So neugierig wie ein junger Hund

Die Schauspielerin ist demnächst in Leverkusen zu Gast. Im Gespräch beschreibt sie gekonntes Verzetteln.

Mit fünf Jahren spielte sie bereits in der ZDF-Produktion Rappelkiste, heute kennt das Fernsehpublikum Meret Becker vor allem als Berliner Tatortkommissarin Nina Rubin. In den Neunzigern arbeitete sie mit Regisseuren wie Sönke Wortmann, Dominika Graf, Helmut Dietl oder Margarete von Trotta. Im vergangenen Jahrzehnt spielte sie unter anderem in „Kokowäh“, „Die Lehrerin“ oder „Feuchtgebiete“. Auf der Bühne entführte sie das Publikum in Traumwelten, schrieb Songs und tourte erfolgreich mit ihren Musikprogrammen. Am 5. Juni ist Meret Becker auf der Forum-Bühne zu Gast mit ihrem Programm „Le Grand Ordinaire“. Instrumentale Unterstützung bekommt sie von „The Tiny Teeth“, zu denen auch die ehemaligen Ars Vitalis-Mitglieder Buddy Sacher und Peter Wilmanns gehören.

Sie sind ungeheuer vielseitig, wie schaffen Sie den Spagat?

Meret  Ich weiß nicht, woran das liegt. Ich bin ja Autodidakt, bin in keiner Sache wirklich geschult oder auf eins spezialisiert. Mit Ausnahme der singenden Säge natürlich, das ist meins. Es ist so eine Art von Verzetteln. Ich bin so neugierig wie ein junger Hund. Ich habe eine lange Liste mit Dingen, die ich in meinem Leben noch machen möchte.

Und was steht da so drauf?

Meret Einen Boots- und einen Lkw-Führerschein zu machen oder mindestens noch drei Sprachen zu lernen. Ob ich das alles noch schaffe, weiß ich nicht. Aber ich schaffe erstaunlicherweise recht viel.

Neben Fernsehen, Film und Theater eben auch Musik. Was kann das Leverkusener Publikum da erwarten?

Meret Das Publikum landet im Zirkus. Also themenmäßig. Wir sind kein tatsächlicher Zirkus, sondern wir erzählen davon. Ich empfinde Musik grundsätzlich sehr optisch, fast wie so Filmmusik. Deswegen habe ich Bilder, die ich darstellen möchte.

Und das artet dann manchmal aus?

Meret Ich bin kein Clown und blödel’ nicht nur rum. Ich finde Tragikkomik am schönsten. Ich beschreibe brutale Bilder, was am Ende auch komisch ist. Das finde ich am Zirkus großartig. Der wichtigste Antrieb ist Sehnsucht.

Gibt es diese Mischung auch im Forum?

Meret Ich hoffe schon. Das Projekt ist ein „work in progress“ und wird wahrscheinlich nie fertig. Es ist wie das Skelett eines Zirkus und die Leute kreiieren die Bilder dazu selbst. Ein Zauberer macht Tricks, zaubern tut das Publikum.

Sie haben entschieden, als Tatort-Kommissarin aufzuhören. Was haben Sie stattdessen vor?

Meret Ich habe noch nie so lange irgendwo gearbeitet. Das grenzt schon an ein Wunder, denn das ist so gar nicht meine Welt. Aber es war spannend, das auszuprobieren.

Eine Übung in Selbstdisziplinierung?

Meret Im Prinzip auch. Es war eine ganz andere Arbeit, als einen Film zu machen. Das ist schon in der Bandbreite ganz toll. Trotzdem, in einem altehrwürdigen Format Neuerungen herbeizuführen, das ist auch mühselig. Ich will das nicht missen. Ich habe ja sehr frühzeitig Bescheid gesagt. Wir haben zehn Filme gemacht und fünf kommen noch. Und ich grusele mich vor dem letzten Drehtag, wenn ich weiß, dass es nun vorbei ist.

Was kommt danach?

Meret Es gibt 1000 Projekte, die im Raum stehen. Darüber soll man nicht sprechen, da bin ich abergläubisch. Ich komme ja vom Zirkus. Es gibt so viele Möglichkeiten. Wenn jemand eine Idee braucht, kann er sich bei mir melden.

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