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Leverkusen/Köln: Menschenraub-Prozess: Gericht präsentiert Überraschungszeugen

Leverkusen/Köln : Menschenraub-Prozess: Gericht präsentiert Überraschungszeugen

In dem nun schon seit zwei Monaten dauernden Prozess gegen fünf Männer, denen vorgeworfen wird, am 14. September vergangenen Jahres einen Mann aus Quettingen entführt und fast zu Tode geprügelt zu haben, präsentierte am Montag die 17. Große Strafkammer des Kölner Landgerichts einen Überraschungs-Zeugen.

Nämlich den Geschäftsführer jener Wermelskirchener Firma, die angeblich den Angeklagten Lohnzahlungen in Höhe von 15 000 Euro schuldig geblieben sein soll und der sich nach Russland abgesetzt haben sollte. Weil sie den Geschäftsführer seinerzeit nicht antrafen, wurde der vermeintliche Vorarbeiter von den Angeklagten handgreiflich zur "Rechenschaft" gezogen.

Im Internet wird die haftungsbeschränkte Firma so beschrieben: Gebrauchsgüter, Blumen, Floristenbedarf, sonstige Beratungsdienste, Abwrack- und Abbrucharbeiten, Holz und Holznebenprodukte (Großhandel), Topfpflanzen (Großhandel), Unternehmensberatung. In Wirklichkeit hatte sie wohl lediglich mit den Abbrucharbeiten zu tun - und das bei einer sehr dürftigen Auftragslage, wie vor Gericht gestern geschildert wurde. Darum ließ man die Geschäfte ab Mai 2013 "einschlafen".

Entsprechend seien auch nur stundenweise die Mitarbeiter beschäftigt worden. Und sie wurden - wenn mitunter auch mit Verzögerung - für ihre Arbeit per Überweisung bezahlt. Lohnaußenstände habe es nicht gegeben, versicherte der Zeuge, obwohl er keine Erinnerung mehr daran hatte, wie hoch der Stundenlohn gewöhnlich gewesen sei.

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Ob das alles so stimmt, daran hatte zumindest der Staatsanwalt seine Zweifel und wird seine Kollegen von der Steuerfahndung wohl über die widersprüchlichen Angaben informieren. Denn der "Vorarbeiter", der nach Angaben des Geschäftsführers lediglich ein "besserer Mitarbeiter" war, habe kein Bargeld zur Auszahlung der übrigen Mitarbeiter erhalten, sagte der Geschäftsführer, der keine Angaben über seinen Aufenthaltsort machen wollte: "Ich habe derzeit keinen festen Wohnsitz." Allerdings hatten zuvor der "Vorarbeiter" und dessen Ehefrau von "Briefumschlägen" zur Weiterleitung an die Mitarbeiter berichtet.

Pikantes Detail, das die Steuerfahndung interessieren dürfte: Die Gesellschafterin der Firma ist eine Frau mit Adresse in Kaliningrad in Russland. Die Buchführungsunterlagen befinden sich angeblich bei einem Steuerberater in Neuss, an dessen Namen sich der Zeuge gerade nicht genau erinnern konnte. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

(sg-)