Leverkusen: Meisterhaft - "Nathan der Weise" mit August Zirner im Erholungshaus

Leverkusen: Meisterhaft - "Nathan der Weise" mit August Zirner im Erholungshaus

Da läuft was schief in der Welt. Das symbolisiert die schräge Bühne, die sich wie eine große Welle zum Publikum hin ergießt. Dahinter eine massive Wand, die ebenso Klagemauer wie sichere Abschottung ist. Mehr Bühnenbild gibt es nicht bei dieser reduzierten Fassung von Gotthold Ephraim Lessings Schauspiel "Nathan der Weise", das Christian Stückl am Münchner Volkstheater inszenierte.

Am Donnerstag war die Produktion zu Gast bei Bayer Kultur im Erholungshaus, das bei diesem Klassiker ausverkauft, doch nicht voll besetzt war. Die Grippewelle war wohl für die Lücken verantwortlich - leider waren viele trotz Erkältung gekommen. Husten störte die faszinierende Vorstellung, die den Zuschauer über drei Stunden nicht einen Augenblick abschweifen ließ. Und das ohne großes Beiwerk, durch die reine Konzentration auf den Text und natürlich die spannende, immer noch aktuelle Frage nach dem Umgang der Religionen miteinander.

Das lag an der hervorragenden Besetzung der Rollen. Nicht nur der meisterhafte August Zirner, der den weisen jüdischen Kaufmann Nathan spielte und alle Facetten eines Menschen zeigte, der mit sich ringt, sich dem Konflikt stellt und die berühmte Ringparabel nicht einfach dozierend vorträgt. Als sein muslimisches Pendant Sultan Saladin überzeugte Pascal Fligg in einer Mischung aus Würde, Autorität und Menschlichkeit. Jung und hitzköpfig dagegen der christliche Kreuzritter, der sich in die Tochter des Juden verliebt. Jacob Gessner zeichnete ihn absolut glaubhaft und sorgte immer wieder für kleine Lacher, weil seine Mimik oder Reaktionen deutlich mehr sagten als sein Text.

Wunderbar auch Paul Behren als der verschlagene Bruder des Sultans und Mara Widmann als Gesellschafterin von Nathans Tochter Recha (Constanze Wächter) und Strippenzieherin.

Dieses hervorragend aufeinander eingespielte Team platzierte die bekannten Zitate, die teils als Redensarten in die deutsche Sprache eingegangen sind, punktgenau. Und es hielt die Vorstellung dabei stets im Fluss als inständiges Plädoyer für Menschlichkeit, Toleranz und die Achtung der Würde und Tradition des Anderen. Ein Thema, das keinen kalt lässt in einer Zeit, in der religiöser Fanatismus und Missbrauch des Glaubens keineswegs Geschichte sind. Die Aktualität wurde auch durch zeitgenössische Kleidung vermittelt und durch ein loderndes Feuer an einer Seite im Bühnenhintergrund, das sich blitzschnell ausbreiten könnte. Beispiele wurden zum Abspann an die Wand darüber projiziert: Bewegte Bilder von (religiös motivierten) Kämpfen im Nahen Osten.

(mkl)