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Mehr arme Kinder in Leverkusen

Jugendhilfeausschuss : Mehr arme Kinder in der Stadt – was tun?

Jugendhilfeausschuss diskutiert über die aktuelle Kita-Situation. Disco im Forum abgelehnt, Räume sind vermietet.

Der evangelische Kita-Verbund muss für das Familienzentrum Küppersteg-Bürrig künftig nur noch einen Trägeranteil von neun statt bisher zwölf Prozent leisten. Das Votum des Kinder- und Jugendilfeausschusses war einstimmig, nachdem Dezernent Marc Adomat zugesagt hat, dass die entsprechende Summe von rund 10.000 Euro jährlich im städtischen Haushalt zur Verfügung stehe. Allerdings fügte er seufzend hinzu: „Anders wäre es mir lieber gewesen.“

Tatsächlich bleibt der Kommune gar nichts anderes übrig, als die Freien Träger bei der Stange zu halten, denn ohne sie wäre die Versorgung sowohl im Bereich der unter drei als auch der über drei Jahre alten Kinder noch schlechter als sie ohnehin ist. Und der gesetzliche Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ist für die Stadt ohnehin kaum zu erfüllen. Bis vorgesehene Neubauten oder Erweiterungen in Betrieb gehen können, wird noch einige Zeit vergehen.

Der evangelische Kita-Verbund begründet den Antrag auf Reduzierung des Trägeranteils mit dem Ausbau der Kapazitäten. Die Evangelische Kirchengemeinde Küppersteg-Bürrig sah sich 2012/13 gezwungen, die ursprünglich zweigruppige Einrichtung zu schließen. Mit städtischer Förderung plus Eigenmitteln wurde stattdessen auf vier Gruppen erweitert. Mit der Reduzierung des Trägeranteils will die Kirchengemeinde die entgangenen Mietkosten für zusätzlich eingebrachte Räume, die, für Fremdvermietung vorgesehen waren, kompensieren.

Vereine, die eine Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe beantragen, müssen künftig ihre Arbeit persönlich im Kinder- und Jugendhilfeausschuss vorstellen. Das gilt erstmals für die vertagten Anträge von „Die Circuspädagogen“ und „Davidstern“, die in der nächsten Sitzung über ihre Arbeit berichten sollen.

Kinderarmut ist auch in Leverkusen ein Thema. Die Zahl derer Sechs- bis 15-jährigen in Armut hat sich im Laufe der letzten Jahre auf über 3000 erhöht. Laut Verwaltung nahmen davon 391 die Angebote aus dem Paket „Bildung und Teilhabe“ für Sport, Spiel, kulturelle Bildung, Unterrichtung in Musik und Kunst oder gemeinschaftliche Freizeitangeboten wahr.

Zu wenig, meinte Sitzungsleiter Rudolf Müller, der mit Vertretern aus Politik und Verwaltung an einer Fachtagung „Kinderarmut“ teilgenommen hat, in der Ergebnisse von Umfragen erläutert und Ansätze für eine Verbesserung der Situation aufgezeigt wurden. Zunächst soll es eine gemeinsame Sitzung des Kinder- und Jugendhilfe- und des Sozialausschusses mit dem gleichen Fachvortrag zum Thema „Der Einfluss von Armut auf die Entwicklung von Kindern – Was tun?“ von Nora Jehles (wissenschaftliche Mitarbeiterin der TH Köln) geben. Danach soll ein Arbeitskreis „Kinderarmut“ ins Leben gerufen werden.

Ohne Diskussion wurde der Bürgerlisten-Antrag auf Einrichtung einer Disco im Forum-Keller abgelehnt, der auch nächste Woche auf der Tagesordnung der Rats-Ausschüsse für Schule, beziehungsweise Kultur steht.

Wie die Verwaltung erklärt, stehen die entsprechenden Räume, in denen während der 1970er Jahre eine Disco nur kurzzeitig funktionierte, gar nicht mehr zur Verfügung. Sie sind an den Restaurant-Pächter vermietet.