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Martin Krampf aus Leverkusen 25 Jahre Schiedsmann

Schiedsmann : „Manchmal hilft eine Schachtel Pralinen“

Martin Krampf ist seit 25 Jahren Schiedsmann. Seine schlichtende Hand reicht weiter als bis zum Gartenzaun.

Meistens geht es um „Grenzerfahrungen“, den berühmten Streit am Gartenzaun. Doch Martin Krampf weiß: „Die wahren Ursachen liegen meist tiefer.“ Es hat sich was aufgeschaukelt zwischen den Nachbarn, häufig im Laufe der Jahre. Dann geht es zum Anwalt und womöglich vor die Richterbank. „500 bis 1000 Euro kommen bei einem Zivilprozess schnell zusammen“, sagt Krampf. Wer zu ihm kommt, bekommt es billiger. 50 bis 60 Euro kostet die Schlichtung beim Schiedsmann. Zumal der Streitwert häufig sehr gering ist. Geht’s denn nicht noch billiger? Es ginge: „Manchmal täte es auch eine Entschuldigung beim Nachbarn und eine Schachtel Pralinen“, sagt Krampf. „Doch gerade das fällt vielen so schwer.“

Dass es eben so einfach dann doch nicht geht, weiß der Schiedsmann nur zu genau. „Die Menschen schen sind rechthaberischer geworden“, sagt Krampf. Seit 25 Jahren ist er in dem Ehrenamt tätig und wurde vom stellvertretenden Direktor des Opladener Amtsgerichts, Stefan Müller-Gerbes, mit einer Urkunde geehrt. Bezirksvorsteher Rainer Schiefer überbrachte die Glückwünsche des Oberbürgermeisters und der Bezirksvertretung. In einem weiteren Ehrenamt ist Krampf –  der im Hauptberuf als Kontroller bei Lanxess tätig ist – Schiefers Stellvertreter und sitzt für die SPD in der Bezirksvertretung.

Seit 1993 ist Krampf „ordentlicher Schiedsmann“, eine Bekannte hatte ihn gefragt, ob er das Amt nicht übernehmen wolle, und er hatte Ja gesagt. Schiedsleute müssen mindestens 30 und dürfen höchstens 70 Jahre alt sein. Sie müssen unbescholten sein und aus dem Bezirk kommen. Bewerbungen laufen über die Stadtverwaltung, die Bezirksvertretungen wählen die Bewerber aus.

Bezirksvorsteher Schiefer erinnerte an die historischen Ursprünge der Schiedsmänner im 19. Jahrhundert, die in Sachsen auch heute noch „Friedensrichter“ heißen. 4900 Anträge auf Schlichtung habe es im vergangenen Jahr in NRW gegeben, bei etwa der Hälfte sei es zu einem Vergleich gekommen. Ein Gerichtsverfahren konnte vermieden werden.

Die schlichtende Hand des Schiedsmanns reicht längst nicht nur bis zum Gartenzaun an überwuchernde Hecken: Beleidigungen, Sachbeschädigungen wie zerstochene Autoreifen bis hin zu Handgreiflichkeiten fallen ebenfalls in ihren Bereich. „Wir sind keine Juristen“, sagt Krampf. „Wir nehmen Konflikte anders wahr und versuchen, die Ursachen zu ergründen.“ Das braucht mitunter Zeit. Für Treffen und Telefongespräche. Eine positive Tendenz sieht Krampf dann auch: Die Anwälte seien gegenüber den Schiedsleuten offener und kooperativer geworden.

Rund zehn Fälle bearbeitet Krampf im Jahr. Richter Müller Gerbes rechnet diesen Einsatz bei hälftiger Erfolgsquote auf 25 Jahre hoch und kommt auf rund 100.000 Euro Gerichtskosten, die der Schiedsmann durch seine ehrenamtliche Tätigkeit der Allgemeinheit eingespart habe.

Müller-Gerbes zu Martin Krampf: „Wenn einer einen Orden verdient hat, dann sind das Schiedsleute wie Sie.“